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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Rechenschaftsbericht zur Mitgliederversamlung des Vereins KONTAKTE-KOHTAKTbI am 19. XI. 2009 über den Zeitraum vom Dezember 2008 bis November 2009.

Liebe Mitglieder,

ich will zunächst über unsere Partnerschaft für leukämiekranke Kinder berichten. Wie jedes Jahr, war auch der Dezember 08 Höhepunkt der Spendenkampagne. Und die ist erstaunlich erfolgreich gewesen, wenn man bedenkt, dass von rund 4000 Förderinnen und Förderern der Partnerschaft Mitte der 90er Jahre jetzt nur noch 1500 übrig geblieben sind. Der Erfolg lag auch in verschiedenen Aktivitäten unserer Partnerinnen und Partner. Der Weihnachtsbazar der Frauengruppe in Damme erbrachte 14 500 Euro. Der Grundstock für alle diesjährigen Fördermaßnahmen war im Dezember 2008 gelegt worden.

Im Februar / März wurde der 5jährige Wadim Isaak aus Barnaul / Westsibirien mit seiner Mutter von uns nach Berlin eingeladen zur Behandlung in der Strahlenklinik der Charité. Behandlungs- und Aufenthaltskosten und die Kosten für die Betreuerin und Dolmetscherin während 14 Tagen bezahlten wir. Das leukämiekranke Kind ist heute in Remission.

Im April reisten Arend v. Stackelberg, unser Beiratsmitglied Prof. Henze und E. Radczuweit nach Moskau zur Konferenz der multizentrischen MB-Studiengruppe. Die Konferenz wurde überwiegend von uns finanziert. An der Konferenz nahmen auch Ärztegruppen teil aus Usbekistan, Kirgistan und ein Chefarzt aus dem Eriwaner Uniklinikum in Armenien. Sie sind noch keine MB-Mitglieder. Aber wir befürworten die Mitgliedschaft auch jener Länder der ehemaligen Sowjetunion, die leukämiekranke Kinder nicht qualifiziert therapieren können und denen noch die fachliche Voraussetzung zur Behandlung ihrer Patienten nach unserem MB-Protokoll fehlen. Anschließend reiste E. Radczuweit zusammen mit Prof. Karachunskiy nach Eriwan. Es wurde die Voraussetzung der Mitgliedschaft in der multizentrischen MB-Studiengruppe geprüft. Wir zahlten einen dreimonatigen Deutschkurs an der dortigen onko-hämatologischen Station für Ärzte und Krankenschwestern, für spätere Hospitationen und Praktika an der Berliner Charité. Weil jedoch bislang an dieser potentiellen armenischen Partnerstation keine Kinder mit akuter lymphoblastischer Leukämie aufgenommen wurden, gibt es von unserer Seite vorerst keine weitere Unterstützung. Erstmals förderte auf unseren Antrag hin das Bundesministerium für Gesundheit die MB-Konferenz. Bis heute gestaltet sich für uns die Abrechnung wegen fehlender Belege schwierig. Es fehlen leider noch einzelne Flugtickets aus 40 teilnehmenden Kliniken als Belege.

Auf Bitte von Prof. Olga Olejnikowa aus Minsk, unserer ersten Partnerin für leukämiekranke Kinder, finanzierten wir dem Biologen Alexander Meleschko aus Minsk im Sommer seinen Studienaufenthalt an der Charité. Mehrere Dienstreisen von Prof. Karachunskiy im Rahmen der Partnerschaft mit seinen deutschen Kollegen wurden ebenfalls finanziert, wenn Karachunskiy sich keine andere Fördermöglichkeit bot.

Im Berichtszeitraum wurden in 40 teilnehmenden onko-hämatologischen Zentren etwa 600 Kinder behandelt, die an akuter lymphoblastischer Leukämie leiden. Deren Daten wurden und werden ständig in der Studienzentrale im Gebäude des Moskauer Republiks-Kinderkrankenhauses ausgewertet und den behandelnden Ärzten entsprechende Empfehlungen und Vorgaben per Internet übermittelt. Diese von Karachunskiy mit vier Mitarbeiterinnen geleitete Studienzentrale ist die Herzkammer des Moskau-Berlin-Protokolls. Ohne die dauerhafte finanzielle Förderung durch KONTAKTE-KOHTAKTbI könnte sie nicht existieren. Daraus erwächst unserem Verein eine sehr große Verantwortung. Quartalsweise müssen wir dafür und Beihilfen für Laborärzte 8000 Euro aufwenden.

Für Medikamente gaben wir im Berichtszeitraum ca. 10 000 € aus. Anträge auf die Besorgung medizinischer Geräte wurden positiv beschieden: Wir haben 7 Zytozentrifugen der Firma Tomac für 25 000 € bestellt. Empfänger sind die MB-Zentren in Tomsk, Ulan-Ude, Orenburg, Tscheboksari, Stawropol, Jaroslawl und Iwanowo.

Insgesamt erhielten wir für den Bereich Kinderleukämie bis zum 13.11.09 Spenden über 40 386 Euro. Direktzahlungen leisteten wir in Höhe von 79 945 Euro. Nächste Woche zahlen wir 31 000 Euro für 7 Zytozentrifugen. Das ist durch Rücklagen aus dem vergangenen Jahr möglich.

Bürger-Engagement für vergessene NS-Opfer .

Auch hier wurde die Grundlage der Jahresförderung durch die Dezember-Spenden gelegt. Die erste Aktion des Jahres war wieder am 27. Januar, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Zusammen mit der Friedensinitiative Zehlendorf luden wir ein ins Filmkunstkino Bali. Wir zeigten den Schweizer Dokumentarfilm „Mission des Grauens“, in dem Schweizer Zeitzeugen über die furchtbare Behandlung sowjetischer Kriegsgefangener berichten. Im gut besuchten Kino gabe es anschließend eine rege Diskussion.

Zu Ostern reisten 11 Vereinsmitglieder sowie Förderinnen und Förderer des Bürger-Engagements für vergessene NS-Opfer nach Belarus. Im Mittelpunkt dieser spektakulären Reise standen Begegnungen mit ehemaligen sowjetischen Kriegsgefangenen. Die Reisenden verfassten anschließend Erlebnisberichte für eine Broschüre. Die Druckkosten wurden bei der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit beantragt, wo uns ein Zuschuss aus den Jahresrestmitteln in Aussicht gestellt wurden. Leider ist die Förderung noch nicht eingetroffen, so dass wir die Broschüre erst Anfang des nächsten Jahres herausgeben können.

Im Mai beteiligten wir uns am Evangelischen Kirchentag in Bremen mit der Ausstellung über sowjetische Kriegsgefangene. Indem uns eine Doppelkoje gegeben wurde, hatten wir genügend Fläche, auf der wir das Publikum ansprechen konnten. Wir hatten auf dem „Marktplatz“ des Kirchentages eine Lesung aus Briefen sowjetischer Kriegsgefangener. Mehrere Bremerinnen und Bremer halfen uns während dieser anstrengenden Tage, die anschließend einen „Bremer Freundeskreis von KONTAKTE-KOHTAKTbI“ gründeten.

Am 1. September, dem 70. Jahrestag des Überfalls auf Polen, organisierten wir erstmals eine öffentliche Kundgebung. Es fanden sich rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf dem Schöneberger Kaiser-Wilhelm-Platz zusammen. Die Apostel-Paulus-Kirchengemeinde hatte uns dankenswerterweise eine Rednertribüne geliehen, eine professionelle Lautssprecheransage stand zur Verfügung. Es sang unser Freund, der russisch-jüdische Schauspieler Grischa Kofman, Redner waren der Pole Witold Kaminski und der 87jährige Belorusse Boris Antonowitsch Popow. Ihn hatten wir zu Ostern in Minsk besucht und ihn mit seiner Frau Soja Michajlowna für eine Woche im Herbst nach Berlin eingeladen. Der TV-Sender ARTE und der Bayrische Rundfunk interviewten ihn, der Staatssekretär André Schmitz gab dem Ehepaar einen freundlichen Empfang. Im Mittelpunkt stand Popows Rede am 1. September, wo er über die Schicksale seiner Leidensgefährten sprach und die Bundesrepublik Deutschland ermahnte, endlich die ehemaligen sowjetischen Kriegsgefangenen als Opfer der Nazis anzuerkennen.

Sibylle Suchan-Floss verhandelte in unserem Auftrag im Freiburger Militärarchiv über die Archivierung der von uns gesammelten Briefe mit Erinnerungen ehemaliger sowjetischer Kriegsgefangener. Der Vertrag ist noch nicht unterschrieben. Wir werden alle Briefe und Originaldokumente abgeben, aber zuvor für unsere Zwecke elektronisch kopieren. Von bislang rund 4000 Briefen sind bis heute etwa die Hälfte gescannt. Für diese aufwändige Arbeit finanzierte uns die Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt Personalkosten.

Nach wie vor steht die Korrespondenz mit ehemaligen sowjetischen Kriegsgefangenen im Mittelpunkt. Dmitri Stratievski beantwortet jeden der täglich eintreffenden Briefe. Weil die ehrenamtlich tätigen Übersetzerinnen und Übersetzer nicht die gesamte Post bearbeiten können und daher viele Briefe unübersetzt in die Ablage kamen, vermittelte uns Peter Plieninger Personalmittel, so dass wir Frau Valerie Engler für ihre intensive und professionelle Übersetzertätigkeit eine kleine Aufwandsentschädigung zahlen können.

Bis zum 13.11.09 erhielten wir zu Gunsten der im Rahmen des Bürger-Engagements für vergessene NS-Opfer bedachten Personen 245 000 Euro. Davon erhielten 10 000 € jüdische Spendenempfänger in der Ukraine und 208 290 € ehemalige sowj. Kriegsgefangene. Nächste Woche überweisen wir nach Russland für 200 ehemalige Kriegsgefangene 60 000 €. Nicht nur Einmalzahlungen an die „vergessenen“ NS-Opfer werden geleistet. Mit einem belorussischen Vertragspartner wurden Leistungen in Krankheitsfällen vereinbart, wofür wir 20 000 € zur Verfügung stellten.

Das kulturelle Leben unseres Vereins vollzog sich auch in diesem Jahr mit monatlichen Jour-Fixe-Veranstaltungen und Filmabenden. Da, wo ich aus gesundheitlichen- und Termingründen den Jour fixe nicht mitgestalten konnte, war Ingrid Schmidt die treibende Kraft. Das „Montagskino“ wurde wieder vom Mitglied Peter Lind veranstaltet.

Zur Zeit hat der Verein 244 Mitglieder und Fördermitglieder. 2009 verzeichneten wir bisher 5 Austritte und 12 Eintritte. Die geringe Mitgliederbewegung steht im Widerspruch zu den Vereinsaktivitäten und Solidaritätsleistungen. Um unserem Verein eine dauerhafte Exisenz zu sichern, ist eine Kampagne zur Mitgliederbewegung unabdingbar!

Dr. Gottfried Eberle.

Berlin-Schöneberg, den 19. Nov. 2009.

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