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KONTAKTE-KOHTAKTbI
Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.
Auszüge aus der Rede von Dr. Peter Jahn [1].
In welcher Situation – und damit spreche ich vor allem mal von Russland – ist also Russland, was geschah, was geschieht dort? Mit wem haben wir es zu tun, wenn wir Kontakte zu Russland und den anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion suchen und pflegen?
Mit wem haben wir es zu tun, wenn wir Kontakte zu Russland und zu den anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion suchen und pflegen?
Unabhängigkeit in der Wahl der Partner, der Arbeitsfelder ist eine Selbstverständlichkeit, und Kritik an der russischen Herrschaft wird schon vorgegart, sie muss nur noch repetiert werden.
Wer hülfe nicht gern den Leidenden in dem Bewusstsein, damit Widerstandswillen gegen Repression, Bürgersinn gegen staatliche Gängelung zu stärken.
Das ist ohne Zweifel ehrenwert, aber sollten wir nicht genau hinsehen, mit welcher Realität wir es heute zu tun haben, welche Entwicklung dorthin geführt hat, welche Aktivitäten und Interventionen wirklich hilfreich sind und was möglicherweise die Situation eher zementiert?

Dr. Peter Jahn am Rednerpult.
Fotos: Heinz W. Pahlke.
Der territoriale Zerfall der Sowjetunion war begleitet von einem militärischen Machtzerfall.
Alle in Osteuropa beschworene Angst vor russischer Expansion ist die Beschwörung eines historischen Schreckbildes, nützlich für den inneren Zusammenhalt Polens, Unganr, der baltischen Staaten usw., für den Eintritt in NATO und EU, aber fern der jetzigen und absehbaren Realität. Wenn Russland Macht ausüben kann, dann sehr begrenzt über ökonomische Ressourcen, aber nicht über militärische Drohungen.
Eigentlich wird in unseren Medien alle zwei Wochen die Demokratie in Russland zu Grabe getragen. Dieser Alarmismus ist geradezu fatal, weil dann, wenn wirklich scharfe Einschnitte erfolgen, wir gar nicht mehr wahrnehmen, dass dort etwas passiert, denn wir haben immer wieder gehört, jetzt ist gerade die Demokratie beendet worden.
Es ist ein Kreislauf, der auch etwas von selbsterfüllender Prophezeiung hat. Dieser Alarmismus ist kontraproduktiv, zumal wir die Ambivalenzen überhaupt nicht mehr wahrnehmen.
Was können wir, die oft beschworenen NGOs,
Wenn wir glauben, dass wir dort die Demokratie implantieren können, kommen wir ganz schnell an Grenzen bzw. – auch das ist passiert – wir machen uns zu Instrumenten von Interessengruppen, die nicht unbedingt nur an der Demokratie interessiert sind.
Lassen Sie mich nur als Problem einmal ansprechen: die ganz gewiss aus demokratischer Sehnsucht gespeiste orangene Revolution in der Ukraine hat – organisiert mit 60 Millionen Dollar durch amerikanische Organisationen – Erfolg gehabt. Und was hat sie gebracht?
Es tut vielleicht manchen weh, die begeistert waren, sie hat innerhalb der alten Elite einen Wechsel im Personal gebracht. Ich sehe nicht, dass es sehr viel anders werden wird.
Die Folge wird sein, dass diejenigen, die sich engagiert haben mit demokratischen Idealen, ganz aus der Politik weggehen oder beim zynischen Machtspiel mitmachen.

Auftritt von Milana Kovalska mit Valeri & Sergej.
Was kann also eine NGO, wie wir es sind, in einer solchen Situation tun?
Einmischung in die Politik ist dem Verein ja glücklicherweise nicht vorzuwerfen. Wir wollen natürliich etwas bewirken, auch verändern, langfristig und auch nicht nur philantropisch.
Wenn eine Wirkung erhofft wird, dann wird sie nur langfristig greifen. Es wird nicht über den noch so gut gemeinten Ratschlag laufen, wir können ihnen nicht sagen, wie sie es tun sollen. Wenn wir uns einmischen, dann nur, wenn wir gefragt werden.
Ein Ausgangspunkt, wenn man uns fragt, ist eine ausreichende Kenntnis dessen, was dort die Bedingungen sind, was die Strukturen, die kollektiven Erfahrungen sind, die Ideologie, die Mentalität. Und dann, wenn wir gefragt werden, sollten wir auch sagen, was wir meinen und auch immer klar machen, es gibt nicht nur die eine Meinung. Das meiste Vertrauen bekommen wir, wenn sich zwei Deutsche untereinander vor den Russen streiten. Das war das Beste, was wir immer gefunden haben, dann hatten wir ein gutes Stück Vertrauen und dann konnten wir miteinander weiterreden.
[1] Dr. Peter Jahn ist Historiker, Vorstandsmitglied von KONTAKTE-KOHTAKTbI e.V. und Direktor des Deutsch-Russischen Museums Berlin-Karlshorst.
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