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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Vielfältige Begegnungen mit Kunst und Kultur.

Festveranstaltung zum 15jährigen Bestehen von KONTAKTE-KOHTAKTbI.

Auszüge aus der Rede von Dr. Gottfried Eberle [1].

Ich darf Sie und Euch herzlich begrüßen zum 15jährigen Jubiläum des Vereins KONTAKTE-KOHTAKTbI. Wir, ein Verein, der eher in aller Bescheidenheit an die Öffentlichkeit tritt, dürfen stolz sein auf diese 15 Jahre, stolz sein auf die Arbeit, die wir in dieser Zeit geleistet haben.

Erlauben Sie mir, mich auf das Terrain zu beschränken, in dem ich mich am kompetentesten fühle: die Kultur, speziell die Musik.

Da ist an einige gewichtige Ereignisse zu erinnern: etwa an eine Aufführung der 7. Symphonie von Schostakowitsch im Konzerthaus durch ein russisches Studentenorchester. Es war jene Symphonie, die während der Leningrader Blockade komponiert wurde und dort eine bewegende Erstaufführung erlebte.

Während der Zeit des Kriegs im Kaukasus haben wir unter dem Motto „Kaukasischer Frieden“ junge Musiker aus Aserbeidschan, Armenien und Georgien zu gemeinsamem Spiel in einem Orchester versammelt. Sie haben auf einem 14tägigen Workshop Musik armenischer und aserbeidschanischer Komponisten erarbeitet und in Berlin und Potsdam aufgeführt.

Zehn Jahre nach der Tschernobyl-Katastrophe kamen zwanzig junge ukrainische Musiker nach Berlin, um zusammen mit dem Jugendstreichorchester des Landesmusikrats Berlin unter Sergej Protopopow (Kiew) und Hilmar Schmalenberg zu arbeiten und in drei Konzerten Musik der Ukraine zu präsentieren.

Der deutschstämmige russisch-jüdische Komponist Alfred Schnittke, wohl der bedeutendste russische Komponist der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, in dessen Herkunft aus dem Gebiet der Wolgadeutschen sich schon deutsch-russisches Zusammenwirken personalisiert, wurde zu seinem 60. Geburtstag im Konzerthaus gewürdigt.

Ebenda fand auch eine Lesung des „Requiems“ von Anna Achmatowa statt zusammen mit einer Aufführung des Requiems von Mozart, an der KONTAKTE-KOHTAKTbI beteiligt waren.

Gottfried Eberle am Rednerpult

Dr. Gottfried Eberle am Rednerpult.
Foto: Heinz W. Pahlke.

Mit Anna Achmatowa ist schon ein Stichwort gegeben, das auf eine kleinere Veranstaltungsreihe hinweist, die seit 2000 ziemlich regelmäßig durchgeführt wird: der Jour fixe am dritten Freitag jedes Monats in unserem Büro in der Feurigstraße. Auf ihm wurden im Lauf der Jahre alle bedeutenden russischen Dichter des 19. und 20. Jahrhunderts vorgestellt.

Die Beschränkung auf ein elektrisches Klavier hat aber auch nicht daran gehindert, wichtige russische Komponisten zu präsentieren, etwa Mussorgsky, Tschaikowsky und Schostakowitsch.

Musik wurde aber nie nur als Ereignis in einem schönen Reservat begriffen, eingedenk des Bonmots von Hanns Eisler: „Wer nur von Musik etwas versteht, versteht auch davon nichts“. Musik und Politik sind gerade in Russland nicht von einander zu trennen. So wurde bei einem der letzten Jours fixes Solomon Volkovs Buch „Stalin und Schostakowitsch“ vorgestellt. Und es gab einen Abend „Stalin und die Dichter“.

Schließlich wurden auch Zeugnisse aus einem der wichtigsten Arbeitsgebiete unseres Vereins gelesen: Briefe ehemaliger Zwangsarbeiter im nationalsozialistischen Deutschland. Im nächsten Jour fixe wird eine Reisegruppe, die in Moskau und Jaroslawl war, aus eigenere Anschauung über unsere Zusammenarbeit mit russischen Leukämie-Krankenhäusern berichten.

Auch das visuelle Medium kam zu seinem Recht mit der bildenden Kunst und dem Film. Wir hörten Vorträge über Ikonen, über Barlach und Chagall und sahen Stummfilme mit Klavierbegleitung live, wie es seiner Zeit der Brauch war.

Unser Verein hat nach der Auflösung der Sowjetunion prinzipiell die Zuwendung zu allen Ländern der ehemaligen Sowjetunion aufrecht erhalten und dies auch im Untertitel seines Namens festgeschrieben.

Natürlich ist es unmöglich, all diese vielen Republiken gleichermaßen zu bedenken. Aber wir haben beim Jour fixe immer wieder Ausflüge über Russland hinaus gemacht. Wir haben uns mit estnischer Literatur befasst, Berichte über Reisen durch Asien gehört und uns beim letzten Jour fixe von einer Studentin aus Kasachstan dieses mittelasiatische Land, das neuntgrößte der Welt, in allen Farben darstellen lassen.

Solche Aktivitäten lassen sich hier, im neuen Domizil, ausweiten. Die Thematik lässt sich nun ausweiten, eine größere Vielfalt von Medien und Hilfsmitteln kann einbezogen werden. Wir streben aber auch nach längerer Pause wieder den Gang in die größere Öffentlichkeit an.

Vor wenigen Tagen erreichte mich der Brief eines ehemaligen Zwangsarbeiters, den er mit großem finanziellem Aufwand hatte ins Deutsche übersetzen lassen. Er gibt einen ausführlichen Bericht von seinen Leiden während des Kriegs unter den Deutschen. Und fügt doch hinzu: „Der Schmerz ist ausgelöscht. Wir sind heute mit dem deutschen Volk befreundet; möge es immer so bleiben.“ Und er, der 80jährige, schreibt seinen Bericht als „Dokument der Wirklichkeit. Man kann es für die heutige Jugend gebrauchen (sofern sie es verstehen will).“

Die Erinnerung für unsere Jugend wach zu halten, muss eine unserer vornehmsten Aufgaben bleiben.

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[1] Dr. Gottfried Eberle ist Pianist, Musikwissenschaftler und Vorsitzender von KONTAKTE-KOHTAKTbI e.V.

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