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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Für Humanismus im West-Ost-Austausch.

Festveranstaltung zum 15jährigen Bestehen von KONTAKTE-KOHTAKTbI.

Auszüge aus der Rede von Eberhard Radczuweit [1].

Verehrte Gäste, liebe KONTAKTY-Mitglieder!

Aus dunklen, feuchten Büroräumen, in denen wir acht Jahre lang ausharrten, in diesem freundlichen Quartier angekommen, freuen wir uns auf die nächsten 15 Jahre Arbeit für Humanismus im West-Ost-Austausch.

Der Anfang ist vielversprechend. Denn schauen Sie sich um, das alles ist in ehrenamtlicher Arbeit erstanden …

Von diesem Raum zurück zu meinem kleinen Hinterhof-Atelier, wo es begann: „Russland-Hilfe“ machte Schlagzeilen. Auf der Medienjagd nach den Helfern rollte ein Ü-Wagen vom RIAS seine Kabel über den Hinterhof aus – es reichte nur bis zur Mitte des Hofes. Vor meiner staunenden Nachbarschaft gewährte ich dort das erste Interview des Vereins, der damals noch „Deutsch-Sowjetische Kontakte“ hieß.

Ich erzählte von unserer ersten Tat, der Einladung der leukämiekranken 14jährigen Olga mit ihrer Mutter aus Minsk und zwei belarussischen Ärztinnen, die am Virchow-Klinikum bei Prof. Henze moderne Therapiemethoden an ihrer eigenen Patientin kennenlernen sollten. Wie sich Vereinsmitglieder ein Viertel Jahr lang um die Mutter kümmerten – das war die erste ehrenamtliche Tat in unserem Namen. Das ist ein Beispiel für die Nachhaltigkeit unserer Arbeit.

Ein anderes Engagement, das sich als roter Faden durchs Vereinsleben zieht: Ich habe noch die ums Geländer gekrampfte Hand eines Punks vor Augen, ein Stehplatz im ausverkauften Konzertsaal am Gendarmenmarkt. Die Aufführung der 7. Sinfonie von Schostakowitsch durch 100 Studierende des Leningrader Konservatoriums hatte alle emotionalisiert. Es war das Gedenkkonzert zum 50. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion.

Eberhard Radczuweit am Rednerpult

Eberhard Radczuweit am Rednerpult.
Fotos: Heinz W. Pahlke.

Wer von Ihnen kürzlich in der Akademie der Künste dabei war, als wir zum 60. Jahrestag der Befreiung von Krieg und Faschismus ehemaligen sowjetischen Kriegsgefangenen ein Forum boten, weiß um die Nachhaltigkeit auch dieses Engagements.

An dieser Stelle danke ich Hilde Schramm, ohne sie hätten wir es nicht geschafft, in zwei Jahren eine dreiviertel Million Euro zu sammeln, die wir vergessenen NS-Opfern im Osten als Geste der Anerkennung übermitteln konnten.

Zwischen diesen beiden langen Linien unseres Engagements finden sich unterschiedliche Ereignisse, die doch alle zusammengefasst werden können als Versuch, in verwirrten Zeiten für den europäischen Humanismus Zeichen zu setzen.

Vernunft, Aufklärung, Solidarität. Wir sollen in diesem Sinne auch streitbar bleiben wie damals, als wir vor dem Kronprinzenpalais beim Besuch des lettischen Präsidenten Ulmanis Flugblätter verteilten, denn wir wollten die antisemitischen Sprüche seines Parlamentspräsidenten nicht hinnehmen. Oder unser Protest bei den Berliner Filmfestspielen, als wir uns mit einem belarussischen Dokumentarfilmer solidarisierten, der nach seiner Satire auf den Präsidenten des Landes übel zusammengeschlagen wurde. Und wenn – wie ich heute erfahren habe – man in Estland offiziell ein Denkmal einweiht zu Ehren der 20. SS-Division, dann muss es auch künftig Proteste geben.

Auftritt des Ensemble Aleko

Auftritt des Ensemble Aleko.

Aber das Besondere an unserem Verein ist wohl, dass wir unseren warmen Grundton wahren, der sich durchs Vereinsleben zieht. Nehmen wir das Plakat unseres leider verstorbenen Prof. Hans Förtsch hinter mir als Beispiel: „Kaukasischer Frieden“, im Mai 1995 war Krieg und wir luden zusammen mit einer Buckower Initiative aus den bis heute verfeindeten Ländern Aserbaidschan und Armenien Musikstudierende ein. Sie brachten Werke zeitgenössischer Komponisten beider Länder zur Aufführung. Bei der Abschlussfeier saßen beide Landesgruppen bunt durcheinander und scherzten auf Russisch miteinander. Kaukasischer Frieden – wir sollten noch viele solcher Zeichen setzen.

Im Jahre 2000, als die Diskussion um die Zwangsarbeiterentschädigung den letzten Winkel des Landes erreichte, griffen wir einen Impuls von Marina Schubarth auf, unterstützten ihre Hilfsaktionen für bedürftige alte Leute in der Ukraine, ehemalige Zwangsarbeiter und leisteten vielfältige Aufklärungsarbeit.

Wir haben diesen großen Raum zu unserem Domizil gewählt, um in breiterer Öffentlichkeit fortführen, wozu das alte Domizil nur einen kleinen, intimen Zirkel bot: Musikalisch-literarische Jour-Fixe-Veranstaltungen von und mit Gottfried Eberle. Und wir haben diesen Raum geschaffen, auf dass ehrenamtliches Engagement sich in freundlicher Atmosphäre entfalten kann.

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[1] Eberhard Radczuweit ist Initiator und Mitbegründer von KONTAKTE-KOHTAKTbI e.V.

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