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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Historische Konflikte durch partnerschaftliche Kontakte überwinden.

Offener Brief an den Moskauer Bürgermeister Jurij M. Luschkov.

Herrn Jurij M. Luschkov.

Bürgermeister von Moskau.
Ul. Tverskaja 13.
103032 Moskau.

Sehr geehrter Herr Luschkov!

Zwischen Berlin und Moskau hat sich im letzten Jahrzehnt gezeigt, wie historische Konflikte durch partnerschaftliche Kontakte überwunden werden. Partnerschaftliche Beziehungen gedeihen, wo beide Seiten in gleichberechtigtem Austausch sich offen und frei äußern können. Deshalb wenden wir uns an Sie im Vertrauen darauf, daß Sie auch für unsere Kritik offen sind.

Wir sind entsetzt über die terroristischen Anschläge auf Moskauer Wohnhäuser und empfinden mit den Angehörigen der Opfer. Wir haben Verständnis für die strenge staatliche Bekämpfung von Terrorismus, und wir begreifen die Angst der Moskauer Bürgerinnen und Bürger. Aber Angst gebiert auch Feindbilder und neue Aggressionen.

Uns besorgt das Verhalten der russischen Mehrheit in Moskau und der Stadtregierung gegenüber kaukasischen Mitbewohnern. Das russische Verfassungsgericht hat zwei Mal die diskrimierende Meldepraxis der Stadt Moskau als verfassungswidrig eingeschätzt, nach den Terroranschlägen setzte sich die Abschiebung von Kaukasiern aus Moskau, insbesondere Tschetschenen, jedoch erneut fort. Wir sind besorgt, daß durch das Verhalten der Stadtregierung ethnische Diskriminierung zusätzlich geschürt wird. Seit den Terroranschlägen steigert sich das allgemeine Vorurteil gegenüber kaukasischen Nachbarn zu blankem Rassismus.

Die wichtigste Erfahrung aus unserer jüngeren Geschichte ist, unsere Zivilisation nur im friedlichen Interessenausgleich, in Toleranz gegenüber fremden Kulturen, Religionen, Nationalitäten entwickeln zu können.

Nach dem Ende des letzten Tschetschenienkrieges haben wir voller Sympathie Ihre Einladung an kranke tschetschenische Kinder zur kostenlosen dreimonatigen Behandlung in Moskauer Krankenhäusern erlebt. Im Geiste dieser humanen Handlung möchten wir Sie ermuntern, für Versöhnung und Verständigung zu werben.

Langlebige Vorurteile gegenüber fremden Nachbarn entladen sich in Zeiten sozialer Not zu gewalttätigen Ausbrüchen, manchmal auch in Berlin. Gerne würden wir für den Berliner Dialog zur Förderung der Toleranz gegenüber ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern auch Partner in Moskau finden. Öffentliche Institutionen, zahlreiche Vereine und Bürgerinitiativen arbeiten in Berlin für die Verständigung zwischen Deutschen und Ausländern. Wir bieten der Moskauer Stadtregierung an, deren Aktivitäten kennenzulernen und Erfahrungen mit uns auszutauschen für die eigene Verständigungspolitik.

Lassen Sie uns ein Zeichen setzen für Vernunft und Toleranz in den nationalen und internationalen Beziehungen.

Mit freundlichen Grüßen.

Vorstand des Vereins KONTAKTE-KOHTAKTbI e.V.

Berlin, 14. Oktober 1999.

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