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KONTAKTE-KOHTAKTbI
Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.
Berlin, den 5. Januar 1995
Sehr geehrter Herr Bürgermeister!
Im Jahr 1995 gedenken wir des 50. Jahrestages der Befreiung vom Nationalsozialismus. Am 20. Januar 1995 wird in Moskau die Ausstellung „Der Krieg gegen die Sowjetunion“ eröffnet. Die Berliner Veranstalter würdigen so die Opfer Ihres Volkes, den historischen Verdienst der sowjetischen Armee bei der Befreiung Europas von der NS-Gewaltherrschaft.
Wir wissen, daß in Ihrer Bevölkerung die Erinnerung lebendig und die Abscheu gegen Krieg tief verwurzelt ist. Wir erfahren dies jetzt auch, wo Moskauer Bürgerinnen und Bürger gegen den Einsatz der Russischen Streitkräfte in Tschetschenien demonstrieren.
Der Verein für Kontakte zu den Ländern der ehemaligen Sowjetunfon sieht im friedlichen Interessenausgleich aller Nachfolgestaaten der Sowjetunion eine Voraussetzung für den Frieden in Europa.
Die militärische Intervention in Tschetschenren schürt Feindschaften zwischen Ethnien und Religionsgemeinschaften und befördert einen extremistischen Nationalismus, anstatt ihn einzudämmen. Die Unterdrückung von Kritik und Protest, die Ignorierung des mehrheitlichen parlamentarischen Willens bedroht die demokratischen Verhältnisse in Rußland.
Die Aggression gegen die Bevölkerung Tschetscheniens widerspricht der Verfassung Ihres Landes, die den Schutz nationaler Minderheiten garantiert. Die Regierung der Russischen Föderation verstößt gegen elementare Menschenrechte.
Ohne Beachtung einer Verhältnismäßigkeit der Mittel wurde der Einsatz von schwerer Militärtechnik angeordnet. Wir müssen mit Bestürzung feststellen, daß dadurch viele Opfer unter der Zivilbevölkerung verschuldet werden.
Wir solidarisieren uns mit allen Bürgerinnen und Bürgern Rußlands, die das bedingungslose Ende der Kampfhandlungen in Tschetschenien fordern. Wir protestieren gegen die Bombenangriffe und die Zerstörung der Stadt Grosny durch russische Truppen.
Wir können nicht erkennen, daß die Regierung der Russischen Föderation alle friedlichen Mittel zur Regelung des Konfliktes ausgeschöpft hat und rufen deshalb zum friedlichen Interessenausgleich auf.
Wir bitten Sie, verehrter Herr Bürgermeister, daß Sie unsere Bestürzung und unseren Appell weitertragen. Wir glauben, im Sinne aller besorgten Berlinerinnen und Berliner zu sprechen, denen die Städteverbindung Berlin-Moskau am Herzen liegt.
Diese Partnerschaft ist gerade im Gedenkjahr 1995 von hoher Symbolkraft.
Deshalb verpflichten wir uns weiterhin zu Solidarität, humanitärer Hilfe und kulturellem Austausch mit Moskau in der Hoffnung, daß auf beiden Seiten Menschlichkeit und Friedenswillen Grundlagen unserer völkerverbindenden Tätigkeit bleiben.
Mit freundlichen Grüßen,
der Vorstand
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