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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Kriegsgefangenenlager Stalag III/A als Gedenkstätte erhalten.

Offener Brief an die Stadtverordnetenversammlung und den Bürgermeister von Luckenwalde.

30. Mai 1996.

Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrter Herr Bürgermeister!

Im ehemaligen Kriegsgefangenenlager Stalag III/A bei Luckenwalde waren bis zur Befreiung am 22. April 1945 Gefangene aus fast allen von Deutschland überfallenen Ländern, unter KZ-ähnlichen Bedingungen eingesperrt.

Vor allem für sowjetische Kriegsgefangene wurde es ein Todeslager. Vermutlich kamen über 25 000 Häftlinge ums Leben. Allein im Winter 1941/42 starben dort ungefähr 20 000 Menschen.

Die Stadtverwaltung von Luckenwalde meldete 1994 dem Landesinnenministerium nur noch 179 Einzelgräber auf dem Stalag-Friedhof.

Ihr ist seit vielen Jahren bekannt, daß sich auf einem zur Stadt gehördenden Flurgrundstück 38 Massengräber mit mindestens 25 000 Opfern befinden. Es werden noch weitere Massengrabstellen vermutet.

Gibt es Recherchen und planmäßgen Bemühungen der Luckenwalder Stadtverwaltung, diese Orte vor dem Vergessen zu bewahren und zu würdigen?

Dazu sind Sie gesetzlich verpflichtet und haben Sie die moralische Verantwortung zur Gestaltung einer Gedenkstätte.

Es ist zu befürchten, daß die letzte vorhandene Lagerbaracke bereits verschwunden ist und die Folgeeinrichtungen eines in der Nähe geplanten Technologieparks endgültig die Spuren dieser Stätte des NS-Terrors verschütten.

Wir sind erschrocken über diese Mißachtung von Opfern des Nationalsozialismus.

Wir bitten Sie, die vorhandenen Gräber zu pflegen, alle Hinweise auf Massengräber zu beachten und die Reste des Kriegsgefangenenlagers zu sichern.

Wir schlagen Ihnen vor, daß Sie in Zusammenarbeit mit der Brandenburgischen Landesregierung die Voraussetzung schaffen für eine Gedenkstätte, die der Bedeutung dieses Ortes entspricht

Zahlreiche Berliner Bildungseinrichtungen, private und öffentliche Initiativen, Vereine und Organisatoren von Gedenkstätten wenden sich gegen jede Art der Geschichtsverdrängung, leisten Aufklärungsarbeit über die NS-Zeit. Dazu zählt die Ehrung der Opfer des Nationalsozialismus in der Berliner Umgebung.

Indem Sie eines wichtigen Ort des Gedenkens verwahrlosen lassen und der Spurenvernichtung Vorschub leisten, behindern Sie eine Arbeit, die zur Grundlage unserer politischen Kultur zählt. Deshalb werden wir aufmerksam die Entwicklungen auf dem Gelände des Stalag III/A verfolgen.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Klaus Meyer.
Kontakte e.V.

Dr Manfred Karnetzki.
Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste.

Dr. Christine Fischer-Defoy.
Aktives Museum e.V.

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