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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Alliierte Streitkräfte gemeinsam aus Berlin verabschieden.

Erklärung von KONTAKTE-KOHTAKTbI e.V. zum 8. Mai 1994.

Der Kalte Krieg ist vorbei. Die ehemaligen Alliierten verabschieden sich von den Berlinerinnen und Berlinern. Grund genug, an die Ursachen ihrer 49jährigen Anwesenheit zu erinnern.

Geschichte ist nicht teilbar. Unsere jüngere Vergangenheit reduziert sich nicht auf die Geschichte der deutschen Trennung. Deren wesentliche Ursachen sind ungeheure Verbrechen, die im Namen des deutschen Volkes verübt wurden. Die Spuren sind in unserer Stadt allgegenwärtig.

Der 8. Mai ist für die einen Jahrestag der deutschen Niederlage, für die anderen Gedenktag für die Befreiung von Krieg und Naziherrschaft.

Wer seit der deutschen Vereinigung sich vom dunkelsten Teil unserer Geschichte entlasten will, der gibt den Rechtsextremisten Wahlkampfhilfe.

Wer zum 50. Jahrestag der Landung amerikanischer Truppen in der Normandie sich zweideutig verhält und die Eroberung Berlins am 8. Mai 1945 durch sowjetische Truppen nicht Befreiung nennt, der beunruhigt unsere Nachbarn im Westen und im Osten.

Die Geschichte der sowjetischen Opfer des deutschen Besatzungsregimes zwischen 1941 und 1945 ist mit der Geschichte des Holocaust in einem Atemzug zu nennen. 3,3 Millionen sowjetische Kriegsgefangene wurden mit Absicht dem Hungertod preisgegeben. 1,1 Millionen sowjetische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter wurden als Arbeitssklaven nach Deutschland verschleppt.

Der Krieg gegen die Sowjetunion war ein rassistischer Vernichtungskrieg.

In den Kämpfen vor und in Berlin verloren die sowjetischen Truppen 78 300 Menschenleben.

Die vier ehemaligen Besatzungsmächte verlassen Berlin. Aber die Bundesregierung verabschiedet die Siegermächte, als sei der Kalte Krieg noch gegenwärtig:

Das Protokoll schreibt getrennte Abschiedsfeiern vor für jene, die einst gemeinsam Nazideutschland bezwangen. Den Nachfolgern der Sowjetarmee wird die offizielle Verabschiedung aus der Stadt verwehrt, deren Befreiung sie so viele Menschenleben gekostet hat.

Wir bedauern den Beschluß der Bundesregierung angesichts der vielen unvergessenen Opfert.

Wir protestieren und appellieren an die Berliner Senatskanzlei und das Abgeordnetenhaus, sich für eine gemeinsame Verabschiedung der amerikanischen, britischen, französischen und russischen Streitkräfte einzusetzen!

Prof. Dr. Klaus Meyer

Vorsitzender

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