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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Eine beinahe familiäre Atmosphäre.

Berliner Schüler besuchten „Schule der Selbstbestimmung“ in Moskau.

Ein Reisebericht von Ingrid Schmidt.

Vom 6. bis 14. April gab es das erste Lehrer-Schüler-Seminar zusammen mit 22 Lehrerinnen, Lehrern, Schulleitern, Schülerinnen und Schülern aus neun Brandenburger und Berliner Schulen an der Moskauer „Schule der Selbstbestimmung“.

6. April 1999: Auf dem Flughafen Schönefeld treffen sich Berliner und Brandenburger LehrerInnen und SchülerInnen, Journalistin und Journalist, ein Mitarbeiter der Brandenburger Regionalen Arbeitsstelle für Ausländerfragen, Jugendarbeit und Schule (RAA), ReiseleiterIn von KONTAKTE-KOHTAKTbI e.V. – via Moskau. Medikamentenspenden werden in Taschen und Rucksäcken verstaut.

„Bitte ein Fensterplatz, Nichtraucherin!“. Den Fensterplatz bekomme ich zugewiesen, allerdings in der vorletzten Reihe, mittendrin im Rauchergetümmel. Die russische Kettenraucherin neben mir verliert ihre brennende Zigarette im angeregten Gespräch, die Suche unter und zwischen den Sitzen gewinnt zunehmend an Dramatik… Wir landen wohlbehalten zwei Stunden später auf dem Flughafen Scheremetjewo.

Intensiv und anregend gestalteten sich die Tage in Moskau, unsere KONTAKTE in der Schule der Selbstbestimmung. Leitmotivisch begleiteten mich zwei exemplarische Erfahrungen:

Beide Geschichten erinnerten mich wieder einmal daran, daß Erziehung ein phantasievolles, unendlich vielseitiges, auf Gegenseitigkeit angewiesenes Unterfangen ist. In dieser Schule gibt es viel zu entdecken, und „entdeckendes Lernen“ gehört zu den pädagogischen Grundkategorien.

Wie sieht die Praxis aus? Darüber wollten wir – die Unterrichtenden aus ganz unterschiedlichen Schultypen – in Moskau einiges erfahren: von Alexander N. Tubelsky, dem Direktor, von den Kolleginnen und Kollegen und vor allem auch von den SchülerInnen. Unsere Fragen in den kleinen Gruppen, in denen wir fast eine Woche zusammen arbeiteten, nahmen kein Ende. Mit den thematischen Festlegungen der Gruppen wurden die pädagogischen Schwerpunkte der Schule deutlich:

Auf der Konferenz am Ende unseres Aufenthaltes wurden Erfahrungen und Beobachtungen ausgetauscht, Fragen, auch skeptische Anfragen formuliert und festgehalten, daß der gegenseitige Austausch und Lernprozeß in Berlin fortgesetzt wird.

Übereinstimmend gewannen wir den Eindruck, daß Schülerinnen und Schüler hoch motiviert sind und daß sich die Erwachsenen – Eltern, Unterrichtende, SchulpsychologInnen und Mitarbeitende in den verschiedenen Gremien – mit den Heranwachsenden als eine Lerngemeinschaft verstehen.

Angesichts der besorgniserregenden Zunahme von Schulverweigerern in den westlichen Industrieländern – in Berlin sind nach vorsichtigen Schätzungen täglich 3000 junge Menschen statt in der Schule auf der Straße – ist das Interesse der Moskauer Jugendlichen an ihrer Schule der Selbstbestimmung ein überzeugendes Zeichen der Hoffnung.

Schulausschluß gilt als härteste Konsequenz für Fehlverhalten. Wir nahmen an einer Sitzung des Schulrates teil, in der ein solcher Fall verhandelt wurde. Der Jugendliche konnte die vom Direktor verhängte Strafe durch das Gremium rückgängig machen lassen.

Wir hatten eine Woche in dieser Schule gelebt; gefrühstückt, zu Mittag gegessen, gearbeitet und gefeiert und spürten nun einiges von der beinahe familiären Atmosphäre. Die Räume selbst vermittelten durch die vielfach in Werkstätten gefertigte Ausstattung (Gardinen, Stühle, Bilder, ein kleines Schülercafé) den Eindruck einer Insel; keinesfalls eine Insel der Seligen, aber doch eine Insel der Anfänge und Aufbrüche.

Die Geschichte von dem Jungen, der nicht am Unterricht teilnehmen wollte, aber regelmäßig in die Schule kam, verstanden wir nun besser. Was er den ganzen Tag gemacht hat? Er hat getöpfert, Affen, immer wieder Affen, einige schmücken den Eingang zur Schulkantine.

Krieg in Jugoslawien…Wie leer klingt manchmal der Satz: „Die Kinder sind unsere Zukunft.“ In der Schule der Selbstbestimmung erhielt diese Hoffnung kräftigen Auftrieb.

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