Direkt zum Navigationsmenü.


KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Arbeitsgemeinschaften „Antifaschismus“ in Berlin und Moskau.

Die Gruppen 2003.

Das Thema „Nationalsozialismus“ nimmt weiterhin in der Schule einen breiten Rahmen ein und wird entsprechend seiner besonderen Bedeutung auch sorgfältig im Unterricht behandelt. Angesichts der Zusammensetzung der Schülerschaft der Ernst-Schering-Oberschule mit ihrem hohen Ausländeranteil ist es jedoch unerlässlich, dass aktuelle Bezüge in die Behandlung dieses wichtigen Themas einfließen.

Immer wieder werben die Parteien mit Transparenten in den Straßen. Nicht alle von ihnen setzten auf Ausgleich und Toleranz, sondern zielen auf niedere politische Instinkte.

Wie müssen Parolen der NPD und der Republikaner wie: „National – total normal“, „NPD – deine Rache“ oder „Berlin muss deutsch bleiben“ auf unsere Schüler wirken? Müssen sich Türken und Araber (sie stellen die zahlenmäßig größte Gruppe im Quartier) nicht dadurch öffentlich ausgegrenzt fühlen? Werden deutschen Jugendlichen nicht dadurch die politischen Dumpfheiten präsentiert, die sie angesichts sozialer Spannungen in ihrem Wohngebiet durchaus auch einmal als vermeintlich einfache Lösungsangebote aufgegriffen werden können?

Foto vom Auschwitz-Turm

Jugendbegegnung in Auschwitz 2001.
Foto: Amory Buchard.

Die Schule ist hier gefordert. Das labile Gleichgewicht in unserer multikulturellen und -ethnischen Gesellschaft gilt es zu erhalten.

Wenn wir Pädagogen hier im Wedding und anderen sozialen Brennpunkten versagen, werden sich die gesellschaftlichen Spannungen in Zukunft massiv entladen. Deshalb sind wir auf unterschiedlichsten Arbeitsfeldern bemüht, die uns anvertrauten Jugendlichen zu einem friedvollen und toleranten Miteinander zu erziehen.

Die „ESO-Charta gegen Gewalt“, zu der sich alle Schüler verpflichten müssen, die an unsere Schule kommen wollen, ist ein wichtiger Meilenstein auf diesem Weg.

Was Schüler selbst erarbeitet und in ihren Gremien verabschiedet haben, dient uns als Leitschnur und Orientierungspunkt im Alltag. Bei auftretenden Konflikten erinnern unsere Streitschlichter (Schüler, die speziell für ihre Aufgaben als Konfliktlotsen ausgebildet wurden) immer wieder daran und versuchen so Auswege aus verfahrenen Situationen zu finden.

Neben dem regulären Unterricht bieten wir aber auch Arbeitsgemeinschaften an, in denen Schüler Gelegenheit zu intensiverer Auseinandersetzung mit einem Thema erhalten. Die AG Geschichte, die Herr Joachim Gaestel leitet ist ein hervorragendes Beispiel für eine gelungene Ergänzung des Unterrichts.

Was aus Gründen der zeitlichen Enge und der übergroßen Stoffverpflichtung gegenüber anderen Themen oft zu kurz kommt, konnte sich hier entfalten: die intensive fachliche Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und seinen Folgen aber auch die emotionale Anteilnahme.

Die Befragung von Zeitzeugen und die Reise nach Auschwitz waren in 2001 sicherlich Höhepunkte dieses anderen Lernens, bei dem nicht das Pausenklingeln den Takt vorgab.

Dass mit der Fahrt nach Polen auch eine Begegnung mit Moskauer Schülern verbunden war, stellte dieses Unternehmen aber auch unter einen besonderen Erwartungsdruck. Um so erfreulicher ist die Tatsache zu werten, dass am Ende alle Beteiligten über den Verlauf zufrieden waren.

Nicht nur die russischen Schüler waren unerfahren im Umgang mit Jugendlichen eines anderen „Kulturkreises“. Denn auch wenn unsere ESO-Schülerschaft multikulturell zusammengesetzt ist, so kommen die Jugendlichen in der Regel kaum aus ihrem Kiez heraus. Die türkischen Familien fahren höchstens einmal in die Heimat ihrer Eltern, und die deutschen Schüler verreisen nur selten, denn der Anteil der Sozialhilfeempfänger ist groß. Über Auslandserfahrungen verfügen demnach nur ganz wenige.

Ein Schüleraustausch bringt für die Beteiligten nicht nur neue Informationen, sondern eine reichhaltige Palette des Austauschs und emotionaler Begegnungen, wie sie notwendig ist, um den eigenen Horizont zu weiten. Nur so können die engen Grenzen des nationalgeprägten Denkens überwunden werden.

Besonders die Auseinandersetzung mit den Ländern Osteuropas scheint mir notwendiger denn je. Waren doch die Begegnungsmöglichkeiten in der Vergangenheit bescheiden und haben deshalb aus Halbwissen und Frontdenken bis heute bestehende Vorurteile tradiert – bis in die junge Generation.

Darum werden wir alles tun (auch gegen augenblickliche Schwierigkeiten), damit die mit der Auschwitz-Begegnung begonnene Arbeit fortgeführt werden kann und das kleine Pflänzchen „Hoffnung“ weiter wachsen kann.

Es ist angesichts vieler technischer, geografischer und finanzieller Probleme schwierig, aber dieses Projekt stellt reale kleine Schritte dar, voneinander zu lernen, aufeinander zuzugehen auf dem Weg zu mehr Toleranz und Völkerverständigung.

Thomas Schumann.
Stellvertretender Schulleiter
Ernst-Schering-Oberschule
Berlin-Wedding

Zum Seitenanfang


Zurück zum Seitenanfang.