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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Neue Freundschaften geschlossen.

Eine Annäherung mit Schwierigkeiten.

Ein selbstkritischer Erfahrungsbericht von Olga Leontieva.

Bei der ersten Begegnung standen Kinder, die zuvor eine sehr positive Einstellung hatten, erst nur als Ausländer voreinander, die zu einem Treffen hergekommen sind. Probleme, die bei der Einteilung in Zimmern und Arbeitsgruppen entstanden sind, waren ganz natürlich. Wenn wir aber auf folgendes bestanden hätten:

dann könnten wir die augenblicklich entstandenen Probleme wesentlich schneller lösen. So hätten die deutschen Mädchen bereits am ersten Tag über ihre Probleme sprechen, und unsere sich diese anhören können.

Aber diese Arbeitsweise war nur für mich und für Tatjana selbstverständlich – für J. und K. war sie nicht überzeugend. Deshalb müssen wir eine Arbeitsweise finden, die für Lehrer beider Seiten annehmbar ist.

Es ist großartig, daß Achim und ich noch vor der Begegnung in Polen Freunde geworden sind. Es ist aber nicht gut, daß wir kaum etwas über unsere Arbeitsmethoden in der Schule gewußt haben.

Nebenbei bemerkt, in der ersten Arbeitsphase – Einteilung in Arbeitsgruppen – der Wunsch, von Freunden nicht getrennt zu werden ist bei Kindern normal. Dies ist ein normaler psychologischer Schutzmechanismus. Das Verständnis, daß sie gerade in den neuen Gruppen auch neue Freunde gewinnen und verstehen können, kommt wesentlich später.

Was ist also mit unseren Kindern passiert: mit Dankbarkeit haben sie gemerkt, daß sie gerade bei dieser Arbeit neue Bekanntschaften und Freundschaften geschlossen haben: mit Hüssein, Gülcin, Christoph, Agnieszka. Sie haben sich sogar bedankt, daß wir sie „nach irgendwelchen Prinzipien“ gezwungen haben, sich in Gruppen aufzuteilen.

Lera hat es folgendermaßen beschrieben: „Vom ersten Tag an sind zwischen uns Mißverständnisse und Meinungsverschiedenheiten entstanden. Nachdem wir (genauer gesagt die Lehrer) diese geklärt haben, haben wir ein häßliches Bild voneinander bekommen (sie meint hier die Probleme bei der Einquartierung, O. L.). Später hat mich außerdem diese schreckliche Einteilung in Gruppen wütend gemacht. Erst nachher habe ich verstanden, daß diese Gruppen uns vor der Aufteilung in zwei getrennte Lager gerettet haben.“

Dennoch haben wir dort in zwei „Lagern“ gelebt: Erwachsene und Kinder. Und das war schlecht.

Ich weiß zwar nicht wie, aber ich bin überzeugt, daß dieses Stereotyp in solchen Projekten ebenfalls überwunden werden muß. Selbst zusammen verbrachte Freizeit bringt Menschen näher. Wir haben nur einmal zusammen gespielt (mein rechter Platz ist leer, ist leer, ich wünsche mir – Volodja – her), es hat aber so gut getan.

Die Erwachsenen sind die „leitende und lenkende Kraft“ in unserer Gemeinschaft geblieben, und die Kinder diejenigen, die geleitet werden müssen. Aus diesem Grund haben sie permanent versucht, sich der Obhut zu entziehen.

Selbst die Möglichkeit, sich ihnen am letzten Abend anzuschließen, sich gemeinsam mit ihnen zu freuen und zu feiern, haben wir nicht ergriffen: Wir hätten durchaus, auch wenn eine Stunde nur, gemeinsam tanzen, spielen können und ihnen zeigen, daß sie uns interessieren und uns nicht gleichgültig sind.

Denn so sieht das auch aus, und die Mauer zwischen den Generationen haben wir selbst gebaut. Erinnerst du dich, als die Kinder zu uns mit der Bitte kamen, ihnen etwas zum Andenken zu schreiben. Und niemand von uns hat ihre Meinung gebraucht. Warum?

Ich denke, daß unsere Arbeit viel effektiver gewesen wäre, wenn die Erwachsenen diese unnatürliche Mauer nicht aufgestellt hätten. Das ist das nächste Problem, das einer detaillierten Ausarbeitung und Analyse bedarf: Auflösung der Barriere der Mißverständnisse zwischen Erwachsenen und Kindern.

Ich denke, daß Alexander Tubelskij gerade deshalb soviel Kraft in die Entwicklung der Schuldemokratie investiert. Und gerade dadurch unterscheidet sich die Selbstverwaltung in unserer Schule von vielen anderen ähnlichen, aber weit nicht vergleichbaren Formen: Bei uns sind Schüler und Lehrer gleichberechtigte Schulbürger, die alle Probleme versuchen zusammen zu lösen. Und die Schulgesetze gelten für alle, nicht nur für die Schüler.

Zur Vorbereitung solcher Begegnungen sollte, denke ich, das Erlernen der Fremdsprache auch obligatorisch sein: Für alle, auch für Lehrer. Dolmetscher sind nicht immer notwendig. Wenn es um Gefühle geht, ist die Verständigung ohne Dolmetscher besser.

Wenn du das Land respektierst, mit dessen Vertretern du Beziehungen hast, solltest du dir ein bißchen Mühe geben. Unsere Kinder haben sich gewundert, weshalb sie alle Deutsch gelernt haben (die meisten als zweite Fremdsprache), die andere Gruppe aber kein Russisch.

Selbstverständlich haben wir für beide Seiten annehmbare Erklärungen gefunden, aber wofür brauchen wir unnötige Schwierigkeiten: es ist absolut möglich, Intensivkurse für Englisch oder eine andere gemeinsame Sprache einzuführen. Um so mehr, daß wir Lehrer in unseren Schulen ständig nach Methoden suchen, das Bedürfnis des Fremdsprachenlernens zu aktivieren.

Das Briefeschreiben ist uns gelungen. Die Kinder waren hier wirklich ehrlich. Dennoch ist es schade, daß nicht alle von ihnen entschieden haben, die Briefe zur Vorbereitung eines gemeinsamen Artikels bereit zu stellen. Die Ausarbeitung einer solchen „Aufgabe“, methodische Herangehensweisen müssen ebenfalls tiefer analysiert werden.

Haben wirklich viele Schüler etwas sehr Privates in ihren Tagebüchern geschrieben und wollten es den Anderen nicht zeigen? Oder, haben sie möglicherweise gar nichts geschrieben? Das heißt, wir Erwachsene haben nicht an alles gedacht.

Wichtige Momente, die uns allen ermöglicht haben, gemeinsam zu fühlen, waren der „Kreis“ und Blumenniederlegung in Auschwitz. Schade, daß wir den „Kreis“ in Birkenau nicht wiederholt und rechtzeitig überlegt haben, den Kindern Blumen zu geben. Dazu ist es gekommen, weil jeder sich auf die anderen verlassen hat.

Das Gespräch mit dem ehemaligen KZ-Häftling war ebenfalls sehr wichtig und interessant. Jerzy Hronowski hat uns, trotz allem, was er erleben mußte, etwas Hoffnung für die Zukunft gegeben.

Die Kinder haben zu Hause eine wichtige und große Arbeit geleistet. Ich denke, wir hätten uns darüber noch vor der Begegnung austauschen sollen, via Internet beispielsweise.

Weil wir das versäumt haben, war es schwierig einander zu verstehen. Sogar das Wort „Projekt“ verstehen wir unterschiedlich. Zukunftsträume waren wirklich nicht ganz verständlich, denn eine der Gruppen war überzeugt, daß hier ihre Projektarbeit sowie die Schullaufbahn zu Ende gehen werden.

Deshalb scheint es mir notwendig, daß an solchen Begegnungen gleichaltrige Gruppen beteiligt sind, um die Arbeit nicht immer wieder vom Neuen zu beginnen. Dann wird es auch verständlich sein, weshalb man sich Gedanken um die Projektzukunft macht.

Möglicherweise haben wir einander in bezug auf „Zukunftsträume“ wieder nicht verstanden. An dieser Stelle wird noch einmal die Notwendigkeit eines „pädagogischen Dolmetschers“, eines Menschen, der beide Seiten verstehen kann, deutlich.

Möglicherweise brauchen wir für die Durchführung solcher Begegnungen einen Menschen, dessen Aufgabe aus folgendem bestehen soll: Analyse der vorherigen Arbeit, Koordination der Lehrerarbeit in beiden Gruppen, Hilfestellungen an alle Erwachsenen in Schlichtungen von unweigerlich entstehenden Problemen, Analyse neu entstehender Situationen.

Ein Mensch, der für das ganze Projekt und nicht nur für einen kleinen Projektteil verantwortlich wäre. Du hast versucht diese Arbeit zu leisten, denn dies war sehr schwer: selbst du bist nicht in der Lage alles gleichzeitig zu machen. Obwohl es dir oft gelang.

Ein solcher Mensch sollte kennen: die Arbeitsmethoden der Pädagogen in der IJBS Oswiecim, die Ortsgeschichte, die kulturellen Besonderheiten der Länder-Projektpartner, die Erwachsenen- und Kinderpsychologie. Er sollte auch Fremdsprachen beherrschen.

Dies sind hier ehrliche Überlegungen und Gedanken, die meiner Erfahrung und meinem Problemverständnis entsprechen. Ich wünsche wirklich sehr, daß diese Arbeit fortgesetzt wird: Selbst auf dieser ersten Stufe, mit vielen Problemen und kleinen Mißverständnissen wurde klar, daß sich die Idee dieser Begegnung, an diesem schrecklichen und für alle wichtigen Ort als richtig erwiesen hat.

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