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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Abgelehnt, abgelehnt, abgelehnt….

Reise zu NS-Zwangsarbeiter/innen nach Kiew, Simferopol, Saki, Gursuf und Jalta (14. bis 26.8.2001).

Ein Reisebericht von Marina Schubarth.

Berlin, den 1. Oktober 2001.

Zum vierten Mal in diesem Jahr fuhr ich mit einer kleinen Gruppe von KONTAKTE-KOHTAKTbI e.V.-Mitgliedern in die Ukraine, um dort vor Ort an ehemalige Zwangsarbeiter/innen Spenden zu überreichen.

Während sich die Stadt Kiew zum 10jährigen Jubiläum der Unabhängigkeit schmückte, leben die ehemaligen NS-Zwangsarbeiter in größter Armut.

Auch in der Ukraine sind die ersten Zahlungen aus dem Fonds der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ bereits erfolgt. Doch laut Information der verschiedenen Opferverbände sowie auch der Stiftungsfiliale der Krim sind nur ein paar Dutzend Leute an ihr Geld gekommen.

So wurde seit dem Auszahlungsdatum, welches bereits einen Monat her ist, auf der Krim mit über 20 000 registrierten berechtigten Antragstellern nur für 8 ehemalige Zwangsarbeiter das Geld aus Kiew übergeben. In Kiew sollen es über 20 gewesen sein, in der gesamten Ukraine knapp 90. Und das in einem Monat!

Wie lange wird es wohl auf diesem Weg der Auszahlung bei 550 000 Antragstellern noch dauern? …

Ein zusätzliches Problem sehen die ehemaligen Zwangsarbeiter in der Auszahlung der zwei Raten, denn zuerst wird das Geld an KZ-Häftlinge sowie an die im KZ geborenen Kinder, aber auch anscheinend an die Menschen, welche das 80. Lebensjahr erreicht haben, ausgezahlt (aber auch da in zwei Raten), dann kommt die nächste Gruppe dran.

Von den vorgesehenen 5000 DM für die Industrie/Fabrikarbeiter bleiben den Zwangsarbeiter/innen sowieso keine 5000 DM mehr, sondern ca. 4300 DM da die Ukraine mehr Opfer auszahlen wird, als bisher bedacht war. Grund: laut dem ukrainischen Gesetz, unterzeichnet von Präsident Kutschma, gelten in der Ukraine mehr Opfergruppen als Anspruchsberechtigte, als dies z.B. im deutschen Gesetz vorgegeben wird.

Bei einer ersten Auszahlung von 65 Prozent erhalten die Berechtigten also knapp 2900 DM. Ist jemand sehr alt, wird er wohl nicht mehr in den Genuss der zweiten Rate kommen. Dieses empfinden die Menschen als eine Schikane und Ungerechtigkeit.

Ich sprach auf dem Reiseweg mit verschiedenen Gruppen alter Menschen (Zwangsarbeiter, Kriegsveteranen, KZ-Häftlinge, einfache Rentner, ehemalige Kriegsgefangene).

Ob in Kiew oder Jalta, ob im Zug oder auf der Straße – speziell die Zwangsarbeiter der Ukraine empfinden, dass man an ihnen ein „Genozid“ ausübt. Dieses Wort fiel zum ersten Mal auf meinen Reisen so gehäuft. Denn: laut Statistik braucht ein Mensch, um auf der untersten Sozialstufe zu stehen, 380 Griwna zum Leben (1 DM = 2,35 Griwna). Die meisten ehemaligen Zwangsarbeiter leben aber von 100 oder 120 Griwna. Die Preise für Lebensmittel sind fast so hoch wie in Deutschland! Also, wie leben? Wie überleben? …

Ich hatte die Möglichkeit, mit über 100 ehemaligen Zwangsarbeiter/innen oder Überlebenden von Vernichtungslagern persönlich zu reden – was ich dabei antraf, ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass für die Ukraine ein anderer Weg gefunden werden muss, denn so, wie es zur Zeit ist, kann es nicht bleiben!

Herr S., Überlebender eines Außenlagers des KZ Buchenwald, erhält einen Tag vor meiner Ankunft die Mitteilung, dass er nicht als KZ-Häftling entschädigt wird, da ihm über seine Arbeit im Außenlager Halle die Nachweise fehlen.

Herr S. war in Halle bei der Reichsbahn im Depot eingesetzt worden. 1944 wurde diese Stelle zur Filiale des KZ Buchenwald. Das ist in einigen Quellen nachzulesen, doch ein Dokument darüber besitzt Herr S. trotz seiner siebenjährigen Suche nicht. Er soll doch seine Tätowierung am Arm zeigen, war ihm in der Kiewer Stiftung gesagt worden.

Auch seine Zeugen nützen Herrn S. nichts, denn auch für sie ist die Auszahlung in Höhe von 15 000 DM abgelehnt worden. Alle besitzen zwar einen Nachweis, dass sie in Halle gearbeitet haben, doch die Stiftung scheint es nicht zu kümmern, was ab 1944 mit dieser Reichsbahn geschehen ist. Da nützt auch kein schlaues Buch, wie „Das Nationalsozialistische Lagersystem“, wo man zu diesem Thema viele Hinweise nachlesen kann.

Herr S. ist im Besitz von Kopien aus dem Buch, auch im Besitz anderer Quellen, woraus zu entnehmen ist, zu wem was wann gehörte. Herr S. erlitt fast den vierten Herzinfarkt, als er den Brief aus Kiew geöffnet hatte, woraus er entnehmen konnte, dass er nicht die entsprechende Auszahlung erhalten wird. Ein Einzelfall?

Frau M. hat bereits einen dicken Aktenordner. Sie überlebte das Außenlager von Ravensbrück – Belzig. Sie war bei Hamburg in einer Fabrik beschäftigt, darüber hat sie einen Nachweis. 1944 kam sie in Hamburg ins Gefängnis, da sie in der Fabrik die anderen Zwangsarbeiter/innen gewarnt hatte, sie sollten die Suppe nicht essen, weil sie dort klein geriebene Metallteile entdeckte.

Wegen Sabotage verurteilt, kam sie aus Hamburg in ein Gefängnis nach Berlin, von dort aus nach Ravensbrück, dann in das Belziger Lager. Seit 1991 sucht sie ihre Dokumente – ohne Erfolg. Auch da lautet die Ablehnung: kein offizielles Dokument – keine Entschädigung von 15 000 DM.

Auch die notariell beglaubigte Zeugenaussage nützt ihr nichts. Abgelehnt. So einfach ist das. Übrigens auch in ihrem Ablehnungsbrief kein Hinweis über weitere rechtliche Möglichkeiten, welche sie nutzen könnte.

Frau A., Überlebende des KZ Ravensbrück. Keine Papiere, da ihre Haftnummer nicht in der Gedenkstätte von Ravensbrück vorhanden ist, welche als letzte Instanz den Aufenthalt im Grauen da bestätigen kann. Auch die Zeugenaussagen nützen nichts. Auch der Brief der Gedenkstätte Ravensbrück, welche ihr mitteilte, dass sie laut ihrer Biografie in Ravensbrück war, nützt ihr nichts. „Njet“ lautet die Absage.

Das Vernichtungslager „Sowchos Krasnij“ ist in der Ukraine als ein solches anerkannt. Man kann dieses Lager im „Schwarzbuch der Ukraine“ finden, dort nämlich werden die Lager aufgelistet, die den Überlebenden dieser Lager eine Entschädigung für ihr erlebtes Leid anerkennen.

Allerdings ist dieses Lager nicht in der Liste der von Partnerorganisationen der deutschen Stiftung „erkämpften Lager“ vorhanden, daher sind diese Überlebenden, trotz der Anerkennung im Schwarzbuch der Ukraine, nicht berechtigt, eine Entschädigung zu enthalten.

16 Frauen stehen vor mir. Es sind Kinder von Partisanenfamilien, welche auf der Krim auf brutalste Art hätten hingerichtet werden sollen. Sie haben überlebt. Als Kinder. Ihre Erinnerungen sind furchterregend.

Was man mit dieser Opfergruppe jetzt macht, ist auch furchterregend. Ich gab der Krasnij-Gruppe den Rat, einen Antrag bei der Stiftung zu stellen. Aber da hörte ich laute Stimmen: das wollten wir, aber die Krimfiliale nimmt unsere Anträge gar nicht an!

Erst als die Gruppe drohte, aus dem Westen kommende Journalisten auf die Stiftung anzusetzen, sagte man: was macht ihr für ein Geschrei! Euer Fall wird doch schon in Kiew bearbeitet, wie auch eure Dokumente … Da sagte Frau F.: „Wie kann das sein, wenn alle Dokumente hier bei mir sind und nie nach Kiew geschickt wurden?“ Daraufhin schickte man Frau F. wieder nach Hause.

Herr I., welcher fast eine Stunde zu seiner Filiale fahren muß, wollte schon mehrere Male einen Antrag stellen. Auch da die Antwort: njet-nein, denn die Stiftungsfiliale hatte an dem Tag keine Antragsformulare. Er solle in zwei Wochen wiederkommen. Aber auch dann hatte die Filiale keine Formulare, auch nicht nach den nächsten zwei Wochen.

Frau T. saß vor mir und hat am 20.8. durch mich erst erfahren, dass sie überhaupt einen Antrag stellen muss. Sie lebt in Jalta, also nicht in einem kleinen Dorf, aber sie hat weder etwas darüber gehört, noch hat sie jemand darüber aufgeklärt. Sie war übrigens nicht die einzige, die über das Verfahren gar nichts wusste.

Frau O. bekam für ihre erste Entschädigung aus dem KGB-Archiv ein Dokument ausgestellt, sie sei nach Deutschland zwangsverschleppt worden. Für den neuen Antrag wurde sie aufgefordert, einen neuen Nachweis des KGB zu stellen, allerdings teilte man ihr diesmal mit, sie wäre freiwillig nach Deutschland gegangen. (Frau O. war damals knappe 15 Jahre alt, sie hatte ihre besten Freundinnen, welche jüdisch waren, für immer verloren. Zitat:

„Ich war so voller Furcht vor den Deutschen … wie konnte ich da freiwillig zu denen gehen, welche mir meine besten Freundinnen für immer nahmen, die an den Zivilisten das Schrecklichste verübten?“ Dass die deutsche Stiftung für so einen Fall eine Sonderregelung gefunden hat, wusste Frau O. auch nicht, obwohl sie eine sehr belesene Frau ist, viel Zeitungen liest und Radio hört.

Ich könnte hier weiter schreiben, es bleibt beim alten. Es gibt sehr viele Probleme, welchen die ehemaligen Zwangsarbeiter ausgesetzt sind. Es setzt sich dort vor Ort keiner so recht für sie ein. Ja, es gibt zwar Juristen, aber wer kann sich denn so etwas leisten? Außer den jüdischen Überlebenden, welche zumindest durch die Jewish Claims ein klein wenig Hilfe bekommen, zumindest eine Lobby durch diese haben, steht den Ukrainern, Weißrussen und Russen keiner so richtig bei.

Nicht, weil das gewollt ist, nein. Es gibt sehr gute ehrenamtliche „Bienchen“, wie sich die Vertreter von verschiedenen Opferverbänden selbst nennen, doch sie haben a) keine Möglichkeit, mit deutschen Forschern zu arbeiten, weil ihnen das Geld dazu fehlt, b) sind diese Opferverbände nur selten mit Internet oder Computern ausgestattet, c) fehlt ihnen die Sprache, so kommt es zu Fehlern (wie bei ukrainisch ausgesprochenem „Gildeshaim“ für Hildesheim).

So wandern viele Zwangsarbeiter umsonst zu sämtlichen Stellen, um ihren Anspruch durchzusetzen. Denn wenn man im deutschen Postleitzahlenbuch unter Gildeshaim sucht, wird man seinen Ort der Verschleppung nicht finden können, wenn nicht gerade eine Sekretärin da ist, welche sowohl die deutsche Landkarte als auch die verschiedenen Varianten der Phonetik kennt.

Auf unserer Reise traf ich nur ein knappes Viertel der Menschen, welche tatsächlich den notwendigen Nachweis laut Stiftung und deren Filialen besitzt. Einigen wird der Nachweis auch nichts mehr nutzen, denn seit unserer letzten Fahrt im April 2001 sind zehn meiner Bekannten unter den ukrainischen Zwangsarbeiter/innen gestorben. In der Stiftungsfiliale der Krim kommen täglich 6 Benachrichtigungen an: Gestorben.

Deutschlandweit liegen Tausende von Bittbriefen vor: „Bitte lieber Bürgermeister, helfen Sie mir, meinen Nachweis zu finden. Ich habe schon geschrieben an: a, b, c, d, … immer die gleiche Antwort: Ihre Dokumente sind nicht gefunden worden.“ Diese Worte kennt wohl jeder von uns, der am Thema arbeitet. Beim Roten Kreuz liegen noch 1000, 100 000, oder vielleicht noch mehr Anfragen von Ukrainern. Wer weiß denn die genaue Zahl derjenigen, welche in den letzten Jahren beweisen mussten, dass sie tatsächlich nicht frei „überliefen“ und auch wirklich in Deutschland Sklavenarbeit leisten mussten?

Wenn wir zusammenrechnen würden, wie viele Briefe in Berlin, Hamburg, Bonn, Frankfurt, Köln, Stuttgart, Dresden, Leipzig, Halle, Magdeburg, Halle, München, Münster, Würzburg, Nürnberg, Augsburg, Mainz, Mannheim, Regensburg, Freiburg, Heidelberg, Rostock, Braunschweig, Chemnitz, Wiesbaden, Wuppertal, Bielefeld, Dortmund, Essen, Bremen, Oldenburg, Hameln, Osnabrück, Hamm, Duisburg, Leverkusen, Koblenz, Kaiserslautern, Kassel, Siegen, Erfurt, Braunschweig, Lübeck, Kiel, Flensburg, Wilhelmshaven, Lübeck, Karlsruhe usw. sowie auch in den verschiedensten Kleinstädten und Dörfern in ganz Deutschland, bei verschiedenen Instanzen eingegangen sind, ungeachtet der Briefe an das Rote Kreuz, so wird es ziemlich schnell jedem sichtbar, dass die Anzahl der Suchenden erschreckend hoch ist. Es ist auch leider so, dass die wenigsten der hier aufgelisteten Städte bei Anfragen auch wirklich „nachweislich“ helfen können.

Die Zeit vergeht vielleicht für uns nicht allzu schnell, aber für die ehemaligen Zwangsarbeiter zählt jeder Tag. Für die meisten ehemaligen Zwangsarbeiter/innen, welche in Deutschland ihre Nachweise suchen, sind drei große Hürden zu nehmen: die Zeit, das Nichtvorhandensein der Dokumente und die Stiftungsentscheidung im eigenen Land. Denn: wird die ukrainische Partnerorganisation es akzeptieren, wenn auf dem Nachweis des Roten Kreuzes nur steht: … war in B. gemeldet von … bis …?

Hieß es nicht von großen Verhandlungspartnern der deutschen Seite, dass die Zwangsarbeiterentschädigung auf unbürokratischem Weg geleistet werden sollte? (Lambsdorf in der Presseerklärung 2000). Sind wir nicht dabei, in der größten Bürokratie zu versinken, während die Menschen uns wegsterben? Können und dürfen wir jemandem, welcher das Elend als junger Mensch in Deutschland erfahren musste, einfach absagen: „Leider, wegen der Kriegseinwirkung liegen uns keine Akten mehr vor …“ – also auch im Klartext: Ihr Nachweis ist nicht da, somit kein Anspruch auf ein bisschen Geld.

Wie gehen wir eigentlich damit um? Wo liegt denn unsere Verantwortung, wenn wir wissen, dass wir dem Antragsteller nicht helfen konnten? An wen geben wir die Verantwortung weiter? Dem Roten Kreuz? Der Stiftung? Den anderen Archiven? Den Firmen, welche immer noch sagen, dass sie damit nichts zu tun hätten oder keine Unterlagen fänden? Allen diesen Stellen, welche bereits von den Opfern mehrere Male angeschrieben wurden? Dürfen wir das, unsere Verantwortung so weiter in das nichts verschieben?

Im 8. Stock lebt Galina. Sie ist schwer krank. Sie kann sich kaum noch ohne Schmerzen bewegen. Jede Veränderung ihres Sitzplatzes bedeutet Schmerzen. Galina hat den Nachweis, dass sie nach Österreich zwangsverschleppt wurde. Dass sie dort „Schwarzarbeit“ geleistet habe. Nun soll sie es beweisen …

Galina wird aber Tag für Tag von ihrer Krankheit mehr und mehr geplagt. Die eiternden Wunden heilen nicht mehr. „Komm her, lass mich deine Hand küssen“, sagt Galina zu mir. „Du bist ein Engel“, als ich ihr einen Briefumschlag gebe. „Ich bin nicht ansteckend, Kind!“ sagt sie, und es rollen ihr bittere Tränen die Wangen herunter. „Danke, dass dich Gott zu mir geschickt hat“, sagt Galina, und nun rollen auch mir die Tränen. Ich sage ihr, dass Privatpersonen in Deutschland für sie gesammelt haben, dass ich kein Engel bin. Aber sie weint dann noch mehr …

Meine Tränen rollen auch, als ich bei Alexandra stehe, einer winzigen, aber großen Frau, welche Ravensbrück überlebt hat, Lehrerin geworden ist, heute mit fast 80 Jahren von ca. 50 DM leben muss, in einem völlig ärmlichen Haus. Da muss ich weinen, weil sie so viel für Andere gab, aber für ihr Leid in Ravensbrück von den Nachbarn gemieden wird.

Vor einem Jahr begann KONTAKTE-KOHTAKTbI e.V. mit einer Spendensammlung für ehemalige NS-Zwangsarbeiter in der Ukraine. Es kamen seither weit über 100 000 DM zusammen. Rund tausend Menschen sind während unserer vier Reisen begünstigt worden. Über 100 von ihnen sind inzwischen gestorben, ohne die offizielle „Entschädigung“ erhalten zu haben. Aber sie haben doch noch ein Zeichen der Gerechtigkeit gefühlt. Sie haben ein Zeichen aus Deutschlandbekommen, dass die Bevölkerung hier und heute anders ist als damals, und auch bereit ist zu helfen.

Im Namen der Menschen, denen wir eine Zuwendung geben konnten, bedanke ich mich bei allen, die geholfen haben! Ich danke denen, welche uns beim Verein KONTAKTE-KOHTAKTbI finanziell und moralisch unterstützt haben. Ich bin froh und dankbar, dass es hierzulande so viele gibt, die sich als Historiker, Archivare, als Privatpersonen und als Mitglieder von Vereinen, Bürgerinitiativen, Schulen und Kommunen für die NS-Zwangsarbeiter/innen einsetzten.

Mein größter Dank gilt Mario Bartorelli. Ein Italiener – ein Häftling, ein Überlebender von Neuengamme, ein Christ. Er gab mir von seiner kleinen Rente die erste Spende in die Ukraine mit. Er war der Motor zum Weitermachen. Oder vielmehr die Motivation zum Jetzt oder Nie!

Das Wohnzimmer von Nadeshda Iwanowna steht immer noch vollgepackt – hier die Kisten mit wissenschaftlichen Büchern, hier die Kisten mit über 600 geführten Interviews, hier die Zeichnungen ihrer Ingenieursarbeiten, und hier die Kisten mit Nachweisfragen.

Nadeshda war 13, als sie in Stettin den Bunker mit bauen musste. Zuvor war sie durch menschenleere Orte der Ukraine gezogen, während ihr ihre Tante die Augen zuband, damit sie die Erhängten nicht sehen könne. Sie wurde von den Deutschen medizinisch behandelt oder diente „Versuchen“.

Sie kann die Experimente an sich nicht belegen, wie auch? In Stettin, ja, da gibt es Nachweise, aber Nadeshda bekommt keine „Entschädigung“. Doch trotz dieser ungerechten Situation betreut sie in Kiew und Umgebung 380 Opfer des Nationalsozialismus. Ehrenamtlich. Und nicht nur sie.

In Anbetracht der heutigen Lage, was in Amerika geschehen ist und was uns bedroht, rutschen diese alten Menschen – die ehemaligen Zwangsarbeiter – immer mehr in den Hintergrund. Ohne dass wir das Thema überhaupt aufgearbeitet haben, verschwindet es vor unseren Augen und erscheint vielleicht als sinnlos, weil es der Vergangenheit gilt.

Aber diese damals als „Ostarbeiter“ abgestempelten Naziopfer sind nicht unsere Vergangenheit, sondern sie leben neben uns, sind unsere Nachbarn und Mitmenschen. Sie zählen zu den letzten Zeitzeugen, die wir nicht vergessen dürfen und von welchen wir viel lernen können.

Spendenaufruf zugunsten ukrainischer NS-Opfer.

Spendenkonto:
Kontakte-Kontakty, Konto-Nr. 306 55 99 006, Berliner Volksbank, BLZ 100 900 00
Kennwort „Soforthilfe“

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