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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Ukrainische Nationalstiftung begrüßt Petition an den Bundestag.

Historische Gerechtigkeit erfordert Entschädigung ehemaliger sowjetischer Kriegsgefangener.

Kiew, September 2006.

Sehr geehrte Frau Dr. Schramm, sehr geehrter Herr Radczuweit,

in Bezug auf die von „Kontakte-KOHTAKTbI e.V.“ verbreitete Petition über die Anerkennung sowjetischer Kriegsgefangener als NS-Opfer möchten wir unsere Stellungnahme abgeben.

Ukrainische Nationalstiftung „Verständigung und Aussöhnung“ teilt Ihre Einschätzung vollkommen und ist schon immer dafür eingetreten, dass sowjetische Kriegsgefangene als eine besondere Kategorie der Opfer von NS-Verfolgungen qualifiziert wird, die für eine Entschädigung für die Inhaftierung in den Lagern mit KZ-vergleichbaren Bedingungen und für die Ausbeutung beim Zwangsarbeitseinsatz leistungsberechtigt ist.

Unbarmherzige Zahlen der Geschichtswissenschaft sind ein Zeugnis von der 58prozentigen hohen Sterberate bei den Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion im Vergleich zu etwa 5 Prozent der gestorbenen Gefangenen aus den westlichen Staaten, die unter Schutz des Internationalen Roten Kreuzes gestanden haben.

Dabei stellen 3,3 Millionen Todesopfer die zweitgrößte Opfergruppe nach den Juden dar.

Schon während der Verhandlungen über die Errichtung der deutschen Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ wurde die Frage über deren Aufnahme ins Entschädigungsgesetz als einer leistungsberechtigten Gruppe aufgeworfen, begründet durch mehr als ausreichende Informationen über die bewusste Politik des Dritten Reiches zur Vernichtung der sowjetischen Kriegsgefangenen durch die härteste Zwangsarbeit in der Bergwerk-, Chemie-, Hüttenindustrie u.ä.

Dennoch haben wir damals keine Unterstützung gefunden, indem unsere Vorschläge seitens der Bundesregierung und der Vertreter der deutschen Wirtschaft massiv abgewiesen wurden.

Im Laufe der Auszahlungen an zivile Zwangsarbeiter mussten wir die Antragssteller ablehnen, die im Dritten Reich im Status Kriegsgefangener schwerste Zwangsarbeit geleistet hatten.

Über Bord einer moralischen Anerkennung und einer materiellen Entschädigung fielen einige Tausend Menschen, deren Alter längst die durchschnittliche Lebensdauer überschritten hat.

Von historischer Gerechtigkeit und unwiderlegbaren Tatsachen aus gesehen möchten wir unsere volle Unterstützung dem vom Verein „Kontakte-KOHTAKTbI e.V.“ vertretenen Standpunkt über die Anerkennung der sowjetischen Kriegsgefangenen als einer der am meisten durch das NS-Regime betroffenen Gruppe aussprechen.

Igor Luschnikow,
Vorstandsvorsitzender.

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