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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Ein Brief vom 9. Januar 2009 an ehemalige sowjetische Kriegsgefangene, auf Russisch veröffentlicht.

Liebe unbekannte …

Mit 30 Jahren wurde ich in die Nachrichtenabteilung einer Infanteriedivision einberufen. Obwohl ich wusste, dass der Überfall auf die Sowjetunion dem Völkerrecht widersprach, hatte ich nicht den Mut zur Kriegsdienstverweigerung, versuchte aber als Fernsprecher und Truppführer im Umgang mit der Zivilbevölkerung in Ihrer Heimat und mit den uns zugeteilten Gefangenen menschlich umzugehen. Kurz vor der deutschen Kapitulation geriet ich in russische Kriegsgefangenschaft und erfuhr menschliche Behandlung. Dasselbe hat mein 99 Jahre alt verstorbener Bruder, der 4 Jahre in 9 verschiedenen sowjetischen Gefangenenlagern überlebte, berichtet.

Ich bin erschüttert und tief beschämt über Eure schrecklichen Leiden, von denen ich durch KONTAKTE-KOHTAKTbI erfuhr. Ja, ich habe unverschämtes und unverdientes Glück gehabt und bin im 98. Lebensjahr. Meine Frau war wie ich ebenfalls Pfarrerin der „Bekennenden Kirche“ und hat Verfolgten des Naziregimes beigestanden. Denen die keine Lebensmittelkarten erhielten, konnte ich auch mit dem, was ich von der Front schicken konnte, ein wenig helfen. Sie ist immer unzufrieden gewesen mit dem, was sie den ihr bekannten Opfern der brutalen NS-Gewalt unter persönlichem Risiko an Hilfe leiten konnte. Sie ist vor 15 Jahren gestorben und hat mit mir versucht, in der Nachkriegszeit als Zeitzeugin für Umdenken, für Frieden und Völkerverständigung einzutreten.

Liebe Mit-Überlebende, ich bitte Euch um Verzeihung für mein Versagen. Seit 50 Jahren habe ich mit meiner Frau auch „Aktion Sühnezeichen / Friedensdienste“ aktiv unterstützt und hoffe, dass ihr uns verzeiht und noch ein wenig Lebensmut und Lebensqualität erfahrt.

Euer Rudolf Weckerling

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