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KONTAKTE-KOHTAKTbI
Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.
Ein Bericht von Eberhard Radczuweit.
Am 7. Februar 2005 fand in der Russischen Stiftung „Verständigung und Aussöhnung“ eine Diskussion über den Vertragsentwurf zur Auszahlung von Spenden an ehemalige sowjetische Kriegsgefangene statt, die auf russischem Gebiet leben.
Die Stiftung verfügt über Daten von über 10 000 Kriegsgefangenen, die in der Hoffnung auf gleiche Behandlung mit Landsleuten Anträge stellten, die als Zivilisten zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt worden waren.
Russische Kriegsgefangene traf damals ein noch härteres Los als zivile Zwangsarbeiter, welche Leistungen der Bundesrepublik Deutschland und der deutschen Wirtschaft empfangen. Ein Kriegsgefangener, der „Vernichtung durch Arbeit“ im Steinbruch oder bei Krupp entkommen, unter Stalin drangsaliert, empfindet es jetzt als Schande und letztes Unrecht im Leben, nicht anerkannt zu werden.
KONTAKTE-KOHTAKTbI wird, wie schon über 1000 Bedürftigen in Armenien und in der Ukraine, nun auch in Russland helfen.
Am Konferenztisch der Stiftung saßen mir gegenüber der stellvertrende Vorstandsvorsitzende, die Hauptbuchhalterin, der Datenbankchef, die Pressereferentin und weitere Personen, deren Funktion ich vergessen habe. Mir zur Seite als Berater saß der Historiker Prof. Pavel Poljan.
Kurz gesagt, letztendlich einigte man sich, der Vertrag konnte vor meiner Abreise unterzeichnet werden.
Bevor es zur Überweisung der ersten Tranche kommt – es sind schon 180 000 Euro für drei Tranchen an 600 Empfangsberechtigte reserviert – wird recherchiert, wer auf den Listen der ehemaligen Kriegsgefangenen noch lebt. Wir hoffen auf die zügige Arbeit unserer neuen Partnerorganisation.
Das Moskauer Sacharow-Museum hat für alle Menschenrechtler einen guten Klang. Hierher wurden 28 ehemalige sowjetische Kriegsgefangene eingeladen, denen bisher die Anerkennung als Opfer eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit verweigert wurde.
Im Saal saßen sich am runden Tisch Jugendliche aus unserer Partnerschule und neun sehr alte Menschen gegenüber. 19 Eingeladene konnten wegen Gebrechlichkeit und Krankheit nicht teilnehmen.
Meine Rede wurde, so schien es mir, dankbar aufgenommen.
Die Jugendlichen übergaben Blumen, Geschenke, auf denen unser Logo klebte und jeweils ein Kuvert mit 300 Euro, das Geld hatte ich aus Berlin mitgebracht. Dass einheimische Jugendliche so aufmerksam und freundlich waren, tat den Alten sichtlich wohl.

Moskauer Schülerinnen ehren ehemalige NS-Opfer im Sacharow-Museum.
Und dann die Presse, ein richtiger Medienrummel: vier russische Fernsehsender hatten ihre Leute geschickt. Zum ersten Mal konnten diese hüben und drüben „vergessenen“ NS-Geschädigten der russischen Öffentlichkeit von ihren Schicksalen berichten.

Im Blickpunkt der Medien: Unter anderem Georgij Cholnij, Mitbegründer der Assoziation ehemaliger Kriegsgefangener in Stukenbrock (Bildmitte).
Sie redeten engagiert und frei in die Mikrophone hinein. Mein Dank gilt Prof. Dr. Vadim Juschenko, der mir ein wunderbarer Dolmetscher war!
Dieses Meeting ist einem weiteren Vertragspartner zu verdanken, der gemeinnützigen Gesellschaft „Sostradanije“, was so viel wie „Mitleid“ heißt.
Mit deren Präsidentin Elisaveta Dzirikowa besuchte ich danach einen der nicht erschienenen Gäste zu Hause, den 91jährigen Zahnarzt Osip Dawidowitsch Priluzkij.

Ossip Dawidowitsch Priluzkij und seine Frau Nelli Maximowna.
Meine Frage, wie er als jüdischer Kriegsgefangener hat überleben können, beantwortete er lapidar: „Manchmal geschahen auch Wunder.“ Auch er verstand sehr gut, dass die 300 Euro nicht als „Entschädigung“ gemeint seien, sondern eine Geste der Anerkennung und der Solidarität ist.
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