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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Herzlicher Dank und eine bohrende Fragen.

Brief des Vorsitzenden der Armenischen Vereinigung der rehabilitierten Gefangenen des zweiten Weltkrieges.

Sehr geehrter, lieber Herr Radczuweit,

gestatten Sie mir bitte, im Namen unserer Anfang Mai nach Berlin gekommenen Gruppe Ihnen und Frau Hilde Schramm sowie dem ganzen Personal Ihres Vereins Kontakte-Kontakty nochmals ganz herzlich für unsere Einladung nach Berlin und die wunderschöne Betreuung zu danken.

Wir, Leute, denen das bitterste Schicksal zuteil geworden ist, konnten uns vorher nicht einmal vorstellen, dass uns irgendwann ermöglicht werden könnte, zur Teilnahme an einem so reichen und schönen Programm nach Deutschland zu kommen, und dass wir bei unseren Besuchen und Zusammenkünften von den Deutschen mit so viel Ehre und Anerkennung der uns beschiedenen Ungerechtigkeiten empfangen werden sollten.

Alles, was ich in Deutschland gesehen und erlebt habe, kam mir wie ein Wunder vor, weil die derzeitige Stadt und ihre Bewohner keineswegs mit denen während des Krieges bzw. unserer Gefangenschaft verglichen werden könnten.

Wir sahen ganz andere, menschliche und mitleidvolle Gesichter, wir sahen eine ganz andere, moderne und wunderschöne Stadt, nicht die, die wir in furchtbaren Trümmern haben verlassen müssen.

Nach unserem Rückflug haben wir allen Mitgliedern unseres Vereins darüber berichtet, was wir im Laufe unseres Aufenthalts in Berlin gemacht und erlebt haben.

Bild von Hrant Nazaretyan

Hrant Nazaretyan.
Foto: Eberhard Radczuweit.

Es ist schwer, zu beschreiben, wie tief sie davon beeindruckt waren, und wie erleichtert fühlten sie sich selbst auch, als wir ihnen von unseren Besuchen und den ehrenvollen Empfängen erzählten. Es war ja für uns eine wichtige Erleichterung, ein großer Trost, als Menschen nach Deutschland zu kommen, und mit so viel Liebe und Ehre dort empfangen und betreut zu werden.

Die gleiche Bedeutung haben unsere Berichte auch für unsere anderen Vereinsmitglieder gehabt, denen es in den ersten Minuten sogar schwer fiel, uns Glauben zu schenken.

Nur eins blieb mir in der ganzen Zeit meines Aufenthaltes in Berlin noch unklar: warum die uns in der Kriegsgefangenschaft beschiedenen Ungerechtigkeiten, die von den uns mit großer Liebe umgebenden Deutschen anerkannt worden sind, vom offiziellen Deutschland nicht akzeptiert ist, und die ehemaligen Kriegsgefangenen, deren Zahl sich damals auf etwa 5 Millionen belief, und die unter den unmenschlichen Umständen alltäglich Zwangsarbeit haben leisten müssen, von der Bundesregierung dafür keine Entschädigung oder Kompensation erhoffen dürfen?

Diese würde doch für die ehemaligen Kriegsgefangenen nicht nur materiell, sondern als Beweis zur offiziellen Anerkennung Deutschlands der ihnen beschiedenen Ungerechtigkeiten auch seelisch sehr wichtige Bedeutung haben.

Nach meinem Besuch in Berlin komme ich immer wieder auf den Gedanken, dass solch ein Verhalten der deutschen Regierung von der deutschen Öffentlichkeit, auch von den kommenden Generationen des deutschen Volkes keineswegs gebilligt werden könnte.

In der besten Verbundenheit und mit den herzlichsten Grüssen aus Armenien.

Ihr Hrant Nazaretjan.

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