Direkt zum Navigationsmenü.
KONTAKTE-KOHTAKTbI
Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.
Berlin, 4.5.2005.
Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,
heute ist eine Delegation von überlebenden sowjetischen Kriegsgefangenen, die auf Einladung des Berliner Vereins „Kontakte Kontakty e.V.“ zum 60. Jahrestag des Kriegsendes und der Befreiung vom Nationalsozialismus Berlin besucht, Gast der IG Metall, Verwaltungsstelle Berlin.
Das Schicksal sowjetischer Kriegsgefangener, die in die Hände des NS-Regimes fielen, ist bekannt. Die meisten kamen Schon bald nach der Festnahme durch unmenschliche Haftbedingungen, durch Hunger, Folter und andere Grausamkeiten ums Leben. Hunderttausende, die diese Quälereien überstanden, mussten bis Kriegsende in deutschen Firmen oder für Einrichtungen des NS-Regimes Zwangsarbeit leisten.
Bis heute haben diese Menschen von der deutschen Politik keine Anerkennung für ihr schweres Schicksal, keine Entschädigung für ihr Leid erhalten.
Die vor ein paar Jahren errichtete Bundesstiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ zahlt ihnen ebenfalls keine Entschädigung. „Kriegsgefangenschaft begründet keinen Leistungsanspruch“, heißt es ausdrücklich in dem zur Errichtung dieser Stiftung verabschiedeten Gesetz.
Der Berliner Verein „Kontakte Kontakty e.V.“ hat deshalb im vergangenen Sommer, wie Sie vielleicht wissen, einen „Aufruf zum Bürgerengagement für ehemalige Zwangsarbeiter/innen und andere NS-Opfer in Osteuropa, die keine Leistungen von der Bundesstiftung ‚Erinnerung, Verantwortung und Zukunft‘ erhalten können“ (nachzulesen unter www.kontakte-kontakty.de), herausgebracht.
Mit Unterstützung vieler Personen aus Politik, Gewerkschaften und anderen Kreisen sammelt er private Spenden, um diesen NS-Opfern eine kleine Wiedergutmachung zukommen zu lassen. Auch wir in der IG Metall unterstützen das. Bis heute sind mehrere hunderttausend Euro gespendet und an über tausend frühere sowjetische Kriegsgefangene übergeben worden, im Schnitt 300,00 Euro pro Opfer.
In der nächsten Ausgabe unserer Mitgliederzeitung „metall“ wird erneut auf diese Initiative hingewiesen und an unsere Mitglieder appelliert, diese Kampagne weiter zu unterstützen.
Wir schreiben Ihnen, weil wir auch die Bundesregierung in der Pflicht sehen. Die sowjetischen Kriegsgefangenen hatten in vieler Hinsicht ein besonders schweres Schicksal. Im Unterschied zu anderen Kriegsgefangenen wurden sie auch nach ihrer Rückkehr weiter verfolgt. Als angebliche „Kollaborateure“ wurden viele erneut inhaftiert oder auf andere Weise jahrelang weiter diskriminiert.
Nach Auskunft des Vereins „Kontakte Kontakty e.V.“, der sich dabei auch auf Angaben der Bundesstiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ und ihrer russischen, ukrainischen und belorussischen Partnerstiftung stützt, leben heute noch etwa 15 000 frühere sowjetische Kriegsgefangene. Um jedem 300,00 Euro zu zahlen, müssten etwa 5 Millionen Euro aufgebracht werden.
Wir appellieren an Sie, sehr geehrter Herr Bundeskanzler, diesen Betrag aus dem Haushalt der Bundesregierung aufzubringen über den Verein „Kontakte Kontakty e.V.“ oder auf einem anderem Weg an die noch lebenden ehemaligen sowjetischen Kriegsgefangenen auszuzahlen.
In unseren Augen ist eine solche Geste des Mitgefühls mit diesen NS-Opfern, 60 Jahre nach Kriegsende, überfällig. Sie wäre auch ein Beitrag zur Festigung der Freundschaft mit den Menschen in diesen Ländern.
Die privaten Spenden, die darüber hinaus zukünftig bei dem Verein „Kontakte Kontakty e.V.“ eingehen, könnten dann dazu verwendet werden, die Zahlungen an diese NS-Opfer über die bisher geplanten 300,00 Euro pro Person weiter aufzustocken.
Bitte teilen Sie uns mit, wie Sie in dieser Angelegenheit verfahren wollen.
Mit freundlichen Grüßen.
IG Metall
Verwaltungsstelle Berlin.
![]()
Zurück zum Seitenanfang.