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KONTAKTE-KOHTAKTbI
Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.
Sehr geehrte Abgeordnete des Deutschen Bundestages!
Ich heiße Gurgen Markosian, bin 1924 in Armenien geboren. War 1941 zur Armee einberufen worden. Kam im November 1942 in die Kriegsgefangenschaft bei Tuapse. Unsere gesamte Division geriet in Gefangenschaft. Man brachte uns über das Schwarze Meer in die Stadt Neftegorsk, wo ein Kriegsgefangenenlager war. Dort blieben wir einen Monat lang. Es kamen Deutsche, suchten ca. 200 Mann von uns Gefangenen aus. Jene, welche noch am kräftigsten erschienen, darunter auch mich, brachte man in ein Arbeitsbataillon, wo wir Zwangsarbeit verrichten mussten.

Es war eine entsetzlich schwere Arbeit, unzumutbar für abgemagerte und kranke Kriegsgefangene. Viele von uns hielten diese Schmerzen und das Leid nicht aus, täglich starben unsere Freunde. Unsere Arbeit war verschieden. Wir hoben Schützengräben aus, bauten Strassen und Brücken, fällten Bäume. Von dort aus brachte man uns in die Ukraine. Hier war die gleiche qualvolle Arbeit. Dann fuhren wir nach Bessarabien, Rumänien, Ungarn.
Überall die gleiche tödlich schwere Arbeit. Wir lebten, als wären wir in einem grauenhaftem Traum, jederzeit warteten wir auf den Tod. Im Jahre 1944, als die Deutschen zurückwichen, brachte man uns in die Tschechoslowakei. Wir befanden uns 20 km von Deutschland entfernt, irgendwo in einem kleinen Dorf, wo uns dann im April die Rote Armee befreite. Nach Hause kehrte ich kraftlos und durchgequält zurück. Dort wartete meine Frau auf mich. Es kam unser einziges Töchterchen zur Welt. Und obwohl das Leben weiterging, trotz allem, die Gefangenschaft hinterließ auf meinem ganzen Leben einen bitteren Stempel.
Heute bin ich 79 Jahre alt, lebe alleine. Habe darauf gehofft, wenigstens im Alter irgend eine Entschädigung von deutscher Seite her zu bekommen, für die in der Gefangenschaft verlorenen drei Jahre, gefüllt mit Leid. Aber es scheint, dass ich umsonst hoffe.
Sehr geehrte Abgeordnete des Bundestages! Ich wende mich an Sie: ist es gerecht, dass man die Entschädigung nur den zivilen Zwangsarbeitern auszahlt und uns Kriegsgefangenen vergessen hat?
Habe ich denn nicht meine besten Jahre dort in der Gefangenschaft verloren? Jetzt stehe ich kurz vor dem „Sonnenuntergang“ (bin sehr alt), doch trotz allem hoffe ich noch, dass mit Ihrer Hilfe mein Glaube an die Menschen zurückkehrt und ich es noch erfahren werde, dass es auf der Welt nicht nur das Böse und die Ungerechtigkeit gibt, sondern dass da Menschen sind, welchen fremdes Schicksal nicht gleichgültig ist…
Ich hoffe auf Ihre Humanität und Wahrheit!
Hochachtungsvoll
Gurgen Markosian.
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Für Gurgen Markosian käme jede Hilfe zu spät. Am 30. September 2003 erhielt KONTAKTbI-KOHTAKTbI von seiner Enkelin die folgende E-Mail:
Dear Mr. Radczuweit,
With a great pain I want to inform you about my grandfather's death. He is die in one's boots. I'm very grieved.
With best regards
Susanna
(In großer Trauer möchte ich Sie darüber informieren, dass mein Großvater verstorben ist. Er ist in seinen Stiefeln gestorben. Ich bin sehr traurig.)
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