Direkt zum Navigationsmenü.


KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

518. Freitagsbrief (vom Mai 2013, aus dem Russischen von Jenny Seitz).

Prokofij Petrowitsch Pertaja
Gebiet Woronesh
Russland.

Autobiographie.

Ich, Pertaja Prokopij Petrowitsch, wurde am 15. September 1921 in Kotschara im Otschmtschirskij Rajon der Georgischen ASSRin einer Bauernfamilie geboren.

Von der Nationalität her bin ich Mengrelier. Mein Vater war Pertaja Pjotr Pachulowitsch, geb. 1868, meine Mutter Pertaja Babina Antonowna, geb. 1867. Sie waren beide Mengrelier.

Vor und nach der Revolution waren sie Landwirte. 1928 wurde ich eingeschult, 1940 schloss ich die 9. Klasse in Kotschara ab.

1941 wurde ich in die Sowjetarmee einberufen, in das Nachrichtenbataillon der Fernostarmee (Bikin, Gebiet Chabarowsk, Primorskij Kraj). Im Februar 1943 wurde ich an die Front geschickt, als Schütze in der Panzerarmee unter der Führung von Katunow (seine Armee war zu diesem Zeitpunkt in der Oblast Kalininskaja, 300 Kilometer entfernt von Ostaschkowo). Im März 1943 wurde unsere Armee in Richtung Kursk, kurz hinter die Ortschaft Obojan versetzt. Vor der Offensive im Kursker Bogen waren wir in den Dörfern Krotlik [?] und Kurasowka stationiert. An den Kämpfen war ich ab dem 5. Juni 1943 beteiligt. Während der Kampfhandlungen geriet unser Bataillon in eine Einkesselung und wir wurden gefangengenommen.

Meine Eltern zu Hause bekamen eine Vermisstenmeldung. Nach der Gefangennahme war ich im Gefangenenlager in Jakowlewo. Nach einer Weile wurde ich nach Rowno versetzt. Drei Monate später schickte man mich zur Station Schepetowka [Stalag 301 Ukraine]. Von dort aus wurde ich nach Deutschland gebracht, in die Stadt Sajun [Sagan Stalag VIIIC Schlesien], wo wir eine Zeitlang in [unleserlich] blieben. Danach wurden wir von einem Lager ins nächste geschickt – in den Städten Görlitz [Stalag VIIIA], Bril [?], und das letzte Lager, in dem ich war, befand sich in Weimar nahe der französischen Grenze [sic!]. Das alles habe ich bei der Filtration in Rawarusskij [Rawa-Ruska?] dargelegt.

Aus der Gefangenschaft wurde ich 1945 durch die amerikanische Armee befreit. Die amerikanischen Truppen übermittelten alle ehemaligen Kriegsgefangenen nach Chemnitz, und von Chemnitz aus wurde ich dann zum Sammelpunkt für ehemalige Kriegsgefangene in Rawa-Ruska geschickt, wo ich durch die Ermittlungsorgane überprüft wurde – wo und unter welchen Umständen ich gefangengenommen worden sei. Nach gründlicher Überprüfung wurde ich am 18. August 1945 wegen Krankheit nach Hause geschickt.

Ich wurde nicht angeklagt, es gab kein Ermittlungsverfahren. Bis zu meiner Pensionierung arbeitete ich in verschiedenen Anstellungen. Ich bin Invalide der Gruppe 2. Ich besitze keinerlei Dokumente aus der Zeit in Gefangenschaft, weil mir nie welche ausgehändigt worden sind.

Deshalb sende ich Ihnen das einzige Dokument, das meinen Verbleib im Kriegsgefangenenlager bestätigt.

Ich würde Sie bitten, mir Ihre Entscheidung an die folgende Adresse mitzuteilen:

[…]

In diesem Dorf lebe ich seit 1947. Ich bin verheiratet, habe vier Kinder und fünf Enkelkinder.

Hochachtungsvoll

Pertaja P. P.

Ich bitte Sie dringend um die Rücksendung des Dokuments, falls es nicht benötigt werden sollte. Vielen Dank im Voraus.

[Angelegt Fotokopie eines Dokuments, das die Kriegsgefangenschaft bestätigt, vom 25. Juli 1966, ausgestellt durch das Kreiskomitee der Kommunistischen Partei in Otschamtschir.].

****

Herr Pertaja erhielt im November 2013 unsere Antwort und 300 € als Geste der Anerkennung erlittenen Unrechts. Auf seine Bitte hin finanzierten wir ihm außerdem den Gasanschluss zu seinem Häuschen. Wir haben keine Nachricht, ob er noch lebt. (Die Redaktion).

Zum Seitenanfang


Zurück zum Seitenanfang.