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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

509. Freitagsbrief (vom April 2006, aus dem Russischen übersetzt).

Wasilij I. Garmasch
Ukraine
Gebiet Lugansk.

Erinnerung

Ich heiße Wasilij Iwanowitsch Garmasch, geboren am 2. August 1919, gebürtig aus Raigorodka, Rayon Swatowo, Gebiet Lugansk, Ukraine.

Ich wurde am 12. Februar 1940 zum Kriegsdienst einberufen. Am 15. Mai 1940 leistete ich den Fahneneid. Ich diente in Semjatitschi, Gebiet Brest, als Schütze im 141. Baubataillon. In Simjatitschi bauten das 141., 142. und 143. Baubataillon Grenzbefestigungen aus Beton. Unser Sommerlager befand sich in einem Wald. Am 20. Juni 1941 abends gab es eine Kinofilmvorführung für uns Soldaten. Nach dem Kino – wir hatten uns hingelegt, die einen waren bereits eingeschlafen, die anderen noch nicht – ertönte Alarm. Es setzte schwerer Beschuss ein. Vom 21. Juni bis 29. Juni 1941 nahm ich am Großen Vaterländischen Krieg teil. So lautet der Eintrag in meinem Militärausweis. Der Beschuss nahm an Stärke zu und dauerte an. In dieser Zeit wurde ich an den Beinen verletzt und erlitt eine Quetschung. Man ließ mich auf dem Schlachtfeld zurück, da ich bewusstlos war. Verwundete, die imstande waren zu gehen, halfen mir; sie trugen mich in ein Waldstück. Letztendlich landeten wir alle in einem Kriegsgefangenenlager (Lager Nr. 308) [Kursk] hinter Stacheldraht. Mein linkes Bein gab keine Ruhe. Unter uns waren sowohl Sanitäter als auch Ärzte, die aber keinen Medizinkasten bei sich hatten. Ein Mann – gebe Gott ihm Gesundheit – stopfte eine Binde mit irgendeiner Salbe direkt in die Wunde. Weiße Maden hatten sich bereits in der Wunde bis zum Knochen durchgefressen. Dank dieser Salbe wurde die Wunde wurde allmählich sauber und begann zu verheilen.

Zweimal trieb man uns von einem Ort zum anderen. Die Lebensbedingungen waren unerträglich. Wir Schwerverwundeten lagen auf nackter Erde unter freiem Himmel. Als die Nächte kälter wurden, grub jeder für sich ein kleines Erdloch, um sich ein wenig vor dem unangenehmen Wind zu schützen und sich warm zu halten. Die Erdlöcher wurden im Liegen gegraben mit dem, was man zur Hand hatte: ein Löffel oder irgendein Stückchen Eisen. Zu essen gab es Steckrübensuppe. Es herrschte Kälte und Hunger.

Danach verfrachtete man uns nach Deutschland, wo ich in einer Fabrik in Berlin arbeitete. Die Fabrik war sehr groß und bestand aus einer Schmiede und einer Gießerei. Dort wurden unter anderem Elektrodrahtspulen aus Papier gefertigt, oben und innen mit Metall beschlagen, so genannte Bergmannröhren. In riesigen Pressen, die so hoch waren wie ein Haus, entstanden Überzüge für Waffen. Der Werksleiter war ein Schwabe, er sprach Deutsch. In seiner Werksabteilung wurden Geschosshülsen gefertigt. Ich arbeitete als Elektroschweißer und reparierte Elektrogeräte. Ich trug eine Tasche mit Schraubenschlüsseln und Werkzeug und war einem deutschen Arbeiter namens Franz Hellebrandt zugeordnet. Er war damals 55–60 Jahre alt und hatte zwei Söhne. Einen Sohn, von dem es hieß, er sei Flieger gewesen, hatte er bereits zu Grabe getragen. Ich arbeitete in dieser Fabrik unter der Registrierungsnummer 6053 bis Kriegsende. Kurz danach wurden wir von sowjetischen Truppen befreit.

Nach dem Krieg diente ich von Mai bis August 1945 in Ungarn als Schütze im 200. Reserveartillerieregiment der Roten Armee, anschließend von August 1945 bis Mai 1946 im 1249. Panzerabwehrregiment, Geschützkaliber 45 mm. Meine Demobilisierung erfolgt am 31. Mai 1946.

[Unterschrift].

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