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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

501. Freitagsbrief (vom Mai 2016, aus dem Russischen von Jennie Seitz).

Beresjuk Michail Iwanowitsch
Ukraine
Charkow.

Sehr geehrter Dmitri Stratievski!

Wir freuen uns, Ihnen mitzuteilen, dass wir die Auszahlung der deutschen Regierung an die ehemaligen sowjetischen Kriegsgefangen erhalten haben. Ich danke Ihnen zutiefst für diesen Akt der Anerkennung der ehemaligen sowjetischen Kriegsgefangenen als Opfer des Nationalsozialismus. Ich danke dem Kollektiv des Vereins „KOHTAKTbI“ […]. Die erste Nachricht von Ihnen, ein Neujahrsgruß zum neuen Jahr 2008, war für uns eine Überraschung. Denn es war das erste Mal, dass die ehemaligen Gefangenen jenes schrecklichen Krieges als eine bestimmte Kategorie ihrer Teilnehmer gesehen wurden – als Opfer des Nationalsozialismus. Diejenigen, die infolge einer Verletzung, einer Schädelprellung, gefangengenommen worden waren, unter schwierigsten Bedingungen in den Lagern ausharrten, durch Filtrierungslager und den SMerSch gehen mussten – sie kehrten mit einem schweren Gefühl in die Heimat zurück.

Lange lastete die Vergangenheit auf ihnen. Aber diese tapferen Menschen kämpften um ihren Platz im Leben: Sie bauten ihre Heimat wieder auf, zogen Kinder groß.

Selbst 70 Jahre später hat die Anerkennung dieser Menschen als Opfer des Nationalsozialismus, der Ausdruck von Achtung ihnen gegenüber und der Erinnerung an sie – die Lebenden wie die Verstorbenen – eine sehr große moralische Bedeutung, enthält einen tiefen humanistischen Sinn.

Vielen Dank für die im Verlauf all der Jahre unseres Kontakts vielfach geleistete Hilfe in Form von Medikamenten und medizinischer Technik, die uns aufrechterhalten haben. Wir sind gerührt von Ihrem Vorhaben, die soziale Unterstützung für Ihre Schützlinge fortzusetzen. Ich möchte meine Dankbarkeit gegenüber Ihrer Partnerorganisation im Rahmen des Projekts, dem „Internationalen Fonds für Toleranz und gegenseitige Verständigung“ (Kiew), zum Ausdruck bringen, für das Verständnis für unsere Probleme, die Fürsorge und die Herzlichkeit. Wir haben eine Gehhilfe erhalten, einen Sitz für die Badewanne. Er kann sich jetzt selbständig, aufrecht bewegen, ohne Angst vor dem Stürzen zu haben. In seinen Augen sieht man Freude, und das ist das Wichtigste. Obwohl es noch viele andere traurige Faktoren gibt. Aber wir werden „bis zur letzten Kugel“ kämpfen. „Kontakty“ ist für uns eine riesengroße Hilfe. Vielen Dank!

Aus dem Rundbrief Nr. 24 haben wir viel Interessantes über Ihre Arbeit erfahren. Wir freuen uns über die Erfolge, Ihre Unermüdlichkeit bei dem von Ihnen auserwählten Projekt und Ihren Plänen. Wenn es möglich ist, senden Sie uns gerne weitere Rundbriefe zu.

[…] Wir wünschen dem gesamten „KOHTAKTbI“-Kollektiv viel Erfolg, Gesundheit für Sie und Ihre Nächsten und alles Gute!

[Unterschrift]

Beresjuk.

23.05.2016.

P. S.: Lieber Dmitri! Leider kenne ich Ihren Vatersnamen nicht und fühle mich dadurch etwas gehemmt. Michail Iwanowitschs Zustand ist so, dass er nicht mehr schreiben kann. Noch vor einem Jahr hat er selbst einen Abriss seiner Autobiographie für Sie aufgeschrieben, seine Erinnerungen an das Nachkriegsschicksal von deutschen Spezialisten beim Bau der Gasleitung. Die Jahre tun ihre Arbeit. Aber glücklicherweise kann er sehen, liest (abonniert acht Zeitungen), sieht fern, und außerdem hat er einen wundervollen Charakter und eine wundervolle Sicht auf das Leben. Und natürlich seine Familie. Abgesehen vom moralischen Faktor der Auszahlung, hat sie auch eine große materielle Bedeutung für uns, wenn man die wirtschaftliche Situation in der Ukraine bedenkt, die Sie ja zweifelsohne kennen. Danke vielmals! Und da mich die Arbeit von „Kontakty“ interessiert, würde ich mich auch über weitere höchst informative Rundbriefe von Ihnen sehr freuen.

In Dankbarkeit und mit herzlichen Grüßen

Nina Michajlowna Beresjuk.

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Anmerkungen: Im 451. Freitagsbrief schrieb Herr Beresjuk seine persönlichen Erinnerungen. Dr. D. Stratievski leistete im Auftrag des Vereins den Schriftverkehr mit den von uns begünstigten ehemaligen sowjetischen Kriegsgefangenen und übersetzte die KOHTAKTbI-Rundbriefe. Die Einmal-Leistungen aus staatl. Haushaltsmitteln ersetzen nicht unsere weitere Kommunikation mit den Begünstigten und deren Angehörigen und wir werden die Nothilfen für ehemalige sowjetische Kriegsgefangene wie für andere bisher „vergessene“ NS-Opfer in Nachfolgestaaten der Sowjetunion fortsetzen, solange Geld für sie gespendet wird.

(Spendenkonto: IBAN: DE 48 1009 0000 3065 5990 06 BIC: BEVODEBB).

E. Radczuweit.

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