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KONTAKTE-KOHTAKTbI
Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.
Renate Krekeler.
Es werden über hunderttausend Menschen in der Ukraine vermutet, denen die amtlichen Nachweise ihrer Zwangsarbeit in Deutschland fehlen. Aus Angst vor Verfolgungen waren Dokumente vernichtet worden. Die sowjetischen KGB-Akten dokumentieren Angaben über landwirtschaftliche Tätigkeiten, wo in Wirklichkeit Lagerhaft und Fronarbeit in der Kriegswirtschaft war. Denn wer in Stalins „Filtrationslagern“ nach dem Krieg verhört wurde, hatte aus Angst vor der Deportation in den GULAG gelogen.
Nun hat es sich herumgesprochen, dass Zwangsarbeit in der Industrie und beispielsweise bei der Reichsbahn mit einer weit höheren Kompensationszahlung aus Deutschland beantwortet wird. Die unbeschreibliche Armut, unter der gegenwärtig alte Menschen in der Ukraine leiden und die Hoffnung auf Gerechtigkeit zwingt sie an den Schreibtisch, zu Behördengängen in manchmal weit entfernte Kreisstädte.
Wer noch kann, schreibt Briefe, füllt Formulare aus, plagt sich mit einer schwerfälligen Bürokratie herum. Manche sparen sich die Briefmarken vom Brot ab, finden irgend jemanden, der ihre Briefe übersetzt. (Denn im Gedächtnis haften nur deutsche Befehlsworte.)
Und dann erhält zum Beispiel der „Hochverehrte Herr Bürgermeister der Stadt Berlin“ die Geschichte einer mißbrauchten Jugendzeit bei der Müllabfuhr, der S-Bahn oder in einem Betrieb, dessen Name vergessen wurde.
Wer gibt Antwort? Das Berliner Landesarchiv war just umgezogen und zigtausende Dokumente unzugänglich. Das Landesverwaltungsamt wurde auf öffentlichen Druck hin im Jahre 2000 mit der Bearbeitung dieser Briefe beauftragt. Allein aus der Ukraine landeten dort in der Koordinierungsstelle weit über dreitausend persönliche Briefe und Anfragen. Ein winziges Team aus Historikerinnen und Historikern, Beamten, Honorarkräften und manchmal sogar ehrenamtlich tätigen Jugendlichen aus Russland und der Ukraine stehen vor einer riesigen Aufgabe.
Nach einem ordentlichen Plan wird sortiert:
Die Koordinierungsstelle ist berechtigt, aufgrund glaubhafter Angaben sogenannte „Plausibilitätserklärungen“ auszustellen. Mit dieser Erklärung kann der Antragsteller bei der ukrainischen Nationalstiftung, als Partner der Bundesstiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“, einen Antrag auf Kompensationszahlungen für seine Zwangsarbeit stellen.
Für die hochbetagten Antragstellerinnen und Antragsteller läuft die Uhr schneller als in den Büros ukrainischer und deutscher Sachbearbeiter. Wie viele Antwortschreiben könnten nur noch auf Gräber gelegt werden?
Marina Schubarth und ihre Freunde läßt diese Frage nicht ruhen. Im Dezember 2001 hat sie im Büro des Vereins KONTAKTE-KOHTAKTbI e.V. hundertzwanzig Briefe in die Ukraine geschrieben. Adressaten waren Menschen, die zwischen 1942 und 1945 bei der Eisenbahn in Berlin gearbeitet hatten. 45 Antwortbriefe erreichten uns daraufhin.
Unter den Absendern war nur eine Frau, die es ablehnte in die Stadt zurück zu kehren, in der ihr soviel Leid geschehen war. Sie lud uns ein, besser zu ihr in die Ukraine zu kommen. Alle anderen äußerten den Wunsch zu kommen, doch nur bei acht war der Gesundheitszustand gut genug, um die strapaziöse Reise anzutreten. Ihre Briefe haben wir übersetzt.
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Der obige Text ist identisch mit dem in der gedruckten Dokumentation „Zwangsarbeit – Begegnungen mit ‚Ostarbeitern‘“. Zur besseren Lesbarkeit auf dem Bildschirm wurde er jedoch in kürzere Absätze aufgeteilt und mit Zwischenüberschriften versehen.
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