Direkt zum Navigationsmenü.
KONTAKTE-KOHTAKTbI
Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.
Geleitwort von Pfarrer Manfred Richter.
„Tschernobyl hat die Welt verändert“ sagt das hunderttausendfach verteilte Informationsheft der Anti-Atom-Initiativen mit dem Titel: „Europa ohne Atom“. Hat Tschernobyl die Welt zur Besinnung gerufen? Zehn Jahre danach muß man daran zweifeln.
Der Ausbau der Atomkraft geht weiter. Am letzten Wochenende gab es eine friedliche Demonstration im Wendland, wo nun – allen geophysikalischen Warnungen zum Trotz – ohne Sicherheitsgewähr end-gelagert werden soll. Dies ist nur ein Beispiel.
Weltweit sind vermutlich ca. 400 Atomkraftwerke in Betrieb oder in Planung – dies ohne gesicherte Entsorgung, End-Entsorgung. Die gibt es bis heute nicht. Und nach wie vor entsprechen die Forschungs- und Fördermittel für alternative Energien wie Wind, Wasser u.a. nur einem Prozent der Investitionen, die in die Atomkraft fließen, zumindest in unserem Land.
Mit meiner Familie hatte ich für den Frühsommer 1986 eine Reise über Skandinavien in die Sowjetunion geplant. Nach dem 26. April fielen urplötzlich alle Reservierungen für Hotels und Campingplätze weg.

Titelseite des Programmheftes.
Wir wollten nun diese geplagten Nachbarländer in einem „Dennoch“ des Protestes und des Solidaritätsgefühls gleichwohl bereisen. Unvergeßlich blieb uns, daß in den weißrussischen Wäldern keine einzige Vogelstimme mehr zu hören war.
Es traf die Menschen besonders in der Ukraine und in Weißrußland. Die Region Gomel, schon im Krieg und unter deutschem Terror schwerstens betroffen, litt vielleicht am meisten neben der ausgestorbenen Stadt Pripjat.
Die Helfer schickte man ins Inferno ohne hinreichende Aufklärung. Überhaupt wurde diese zurückgehalten. Und der damalige Direktor, Brjuchanow, deutete jüngst in einem Interview an, daß Behörden bis heute nicht wirklich an Aufklärung interessiert seien.
War der „Störfall“ – so überschrieb Christa Wolf ihr Tagebuch jenes 26. Aprils 1986 – ein solcher auch für die Atomwirtschaft und die Politik?
Wohl kaum. Umso wichtiger ist die Erinnerung, die Ehrung der Opfer und die Hilfe für sie, deren Leiden – man sah es an den Opfern von Hiroshima und Nagasaki – noch Jahre und Jahrzehnte andauern werden.
Hierzu wollen die drei Konzerte des Lyssenko Kammerorchesters Kiew und des Jugenstreichorchesters des Landesmusikrates Berlin einen Beitrag leisten.
Schon ihr Zusammenwirken ist eine Geste. Die ausgewählten Kompositionen wie Wladimir Gubas „Erloschene Blicke“, Epitaph für die Opfer von Tschernobyl, und das Konzert für Oboe und Streichorchester von Sergej Belimow „Von einem lebendigen und toten Wasser“ werden das Unsagbare zu Gehör bringen.
Und auch die Orte sprechen für sich: Kirchen, in denen die Klage Raum findet und doch auch die Hoffnung Nahrung finden muß.
Vergessen wir nicht: jede „friedliche“ Atomnutzung kann zu militärischen Zwecken um-“gerüstet“ werden.
Nie wieder GAU – weder ein „friedlicher“ wie Tschernobyl noch ein militärischer. Statt dessen lebendiges Wasser, lebendiges Land. Leben für die, die die Katastrophe überlebten.
![]()
Zurück zum Seitenanfang.