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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Der Vielsprachige.

Zur Künstlerbiographie Alfred Schnittkes.

Von Dr. Gottfried Eberle.

Heute ist Alfred Schnittke wohl der geschätzteste, vielleicht der originellste russische Komponist. Zusammen mit Sofja Gubaidulina, Edison Denisow, Valentin Silwestrow, Rodion Schtschedrin und manchen anderen hat er seit etwa drei Jahrzehnten eine Erneuerung der sowjetischen Musik befördert, die bis dahin noch weitgehend in der Doktrin des Sozialistischen Realismus befangen war, und ihr zu hohem internationalem Ansehen verholfen.

Alfred Schnittke wird am 24. November 1934 in Engels, in der damaligen Wolgadeutschen Republik, als Sohn deutscher Eltern geboren. Der Vater, aus Frankfurt am Main stammend, ist Journalist und Übersetzer, die Mutter Deutschlehrerin und Mitarbeiterin der deutschsprachigen Zeitung „Neues Leben“.

In Wien, wo der Vater seit 1946 für eine deutschsprachige sowjetische Zeitung tätig ist, erhält Alfred den ersten Klavierunterricht.

Ab 1948 lebt die Familie in Moskau. Hier absolviert Schnittke zunächst eine Ausbildung als Chordirigent. Von 1953 bis 1958 studiert er am Moskauer Konservatorium.

Ebenso wichtig aber sind für ihn die privaten Anregungen, die er durch Philipp Herschkowitz, einen rumänischen Schüler Anton Weberns erhält.

Herschkowitz, der in Moskau eher im Verborgenen wirkt, übt auf die jüngere russische Komponistengeneration einen kaum zu überschätzenden Einfluß aus – vor allem als Vermittler der Tradition der Wiener Schule.

So lernt Schnittke Kompositionen von Schönberg, Webern und Berg kennen, die ihm wesentliche Impulse für sein eigenes Schaffen geben. Er setzt sich mit dem Verfahren der Reihenkomposition auseinander, geht aber bald darüber hinaus.

Seinen Weg beschreibt er so: „Meine musikalische Entwicklung verlief über Klavierkonzertromantik, neoklassizistische Schulweisheit, eklektische Syntheseversuche (Orff und Schönberg) und kannte auch die unvermeidlichen Mannhaftigkeitsproben der seriellen Selbstverleugnung. Doch dann beschloß ich, aus dem überfüllten Zug auszusteigen…“

Schnittke findet zu seinem Konzept der „Polystilistik“, in dem Altes und Neues, Kunst- und Popularmusik aufeinandertreffen, sich gegenseitig beleuchtend und verfremdend. Dabei kommt er mehr und mehr vom direkten Zitat ab und schreibt Eigenes in fremden Stilsphären.

Souverän bewegt er sich in den verschiedensten musikalischen Sprachen. Das verbindet ihn mit Gustav Mahler, dem er oft direkt in seinem Werk huldigt.

Nachdem Schnittke von 1962 bis 1972 als Lehrer für Instrumentation am Moskauer Konservatorium gewirkt hat, wird er freiberuflich tätig und erweitert stetig seinen internationalen Wirkungskreis.

Heute lebt er in Hamburg und bekleidet als Nachfolger von György Ligeti eine Professur für Komposition an der dortigen Musikhochschule.

Schnittke schrieb sieben Symphonien, mehrere Concerti grossi, vier Violinkonzerte, ein Bratschen- und ein Cellokonzert, dazu eine Fülle Chor- und Kammermusik. Einen besonderen Stellenwert in seiner künstlerischen Entwicklung besitzt die Filmmusik.

Nach etlichen Balletten hat er sich in jüngster Zeit auch der Oper zugewandt. Im nächsten Jahr werden seine Opern „Historia von D. Johannes Fausten“ und „Gesualdo“ zur Uraufführung gelangen.

Alfred Schnittke ringt seine Werke einer höchst labilen körperlichen Verfassung ab. Sein 60. Geburtstag steht im Zeichen einer neuerlichen schweren gesundheitlichen Attacke. So beinhalten unsere Grüße zum Ehrentag besonders herzliche Genesungswünsche.

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