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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Leukämiekranke Kinder brauchen weiter unsere Unterstützung.

Reisegruppe brachte bewegende Eindrücke aus Moskau und Jaroslawl mitt.

Ein Reisebericht von Ingrid Schmidt.

Vom Flughafen Schönefeld aus nahmen wir ein Taxi. Kaum waren wir losgefahren, klingelte das Mobiltelefon des Fahrers. Er sprach mit dem Anrufer – auf russisch. Wir schauten uns an und lachten: Waren wir noch immer in Moskau? Vor knapp drei Stunden hatten wir doch die Stadt verlassen!

Wir, eine kleine Gruppe von MitarbeiterInnen und FreundInnen des Vereins KONTAKTE-KOHTAKTbI, hatten einige Tage Kinderkrankenhäuser in Moskau und Jaroslawl besucht, jeweils mit ÄrztInnen, Schwestern und LaborleiterInnen der Kinderonkologie gesprochen.

Es geht um die Kinder. Noch zu Beginn der neunziger Jahre starben in Russland nahezu 90 Prozent der an Leukämie (Blutkrebs) Erkrankten. Eine wirksame Behandlung war unbekannt. In Deutschland konnten zu dieser Zeit bereits die meisten Kinder gerettet werden. Denn in den siebziger Jahren wurde an hiesigen Universitätskliniken mit einem neuen Therapieprotokoll ein medizinischer Durchbruch erzielt, bis dahin galt auch hierzulande diese Krankheit als unheilbar.

Vierzehn Jahre sind es nun her, seit Dr. Alexander Karatschunsky, heute Professor am Russischen Institut für Kinderhämatologie, Moskau, und Professor Günter Henze, Leiter der Onkologie/Hämatologie an der Kinderklinik der Charité Berlin, das „Moskau-Berlin-Protokoll“ entwickelten.

Fast zwei Drittel aller russischen Kinderkrebszentren beteiligen sich inzwischen an diesem spezifischen Therapiemodell, das die erschwerten Bedingungen in russischen Kliniken berücksichtigt.

Heute haben 70 Prozent der an akuter Leukämie erkrankten Kinder in diesen Kliniken die Chance gesund zu werden – 400 PatientInnen werden jährlich nach dem MB-Protokoll behandelt.

KONTAKTE-KOHTAKTbI konnte dank großzügiger Spenden dieses Projekt auf vielfache Weise begleiten und unterstützen: durch Baumaßnahmen, Ausstattung der Labore, Medikamente, Fachliteratur, Finanzierung von Tagungen russischer und belorussischer Kinderonkologen, Stipendien.

Wir hatten uns vor längerer Zeit spontan entschlossen, nach Russland zu reisen, einige Kinderstationen zu besuchen, stellvertretend für den Verein Grüße und Spenden weiterzugeben, zuzuhören, uns vorzustellen, zu erzählen, zu fragen, auszutauschen, KONTAKTE zu knüpfen! Wir wagen zu sagen, es ist uns gelungen!

P.S. Am 23. September 2005 wurde Dr. med. Alexander Karatschunsky mit einem 1. Preis der Sektion PODC – Pädiatrische Onkologie in Entwicklungsländern – beim SIOP-Kongress in Vancouver (Kanada) ausgezeichnet. Herzlichen Glückwunsch!

Am Tag vor unserer Abreise waren wir Gäste der Moskauer „Schule der Selbstbestimmung“ und ihres Direktors Dr. Alexander Tubelski. Mit dieser Schule verbindet uns eine langjährige Partnerschaft und Freundschaft.

SchülerInnen, LehrerInnen und pädagogische MitarbeiterInnen begrüßten uns herzlich mit einem temperamentvollen Musik- und Tanzprogramm.

Im Anschluss an die von den Jugendlichen geleitete Schulbesichtigung trafen wir uns zu einer kleinen Schulversammlung. Eingeladen waren vier Frauen, die in ihrer Jugend als Zwangsarbeiterinnen nach Deutschland verschleppt worden waren.

Ein Leben lang mussten sie zu Hause ihre Erinnerungen verbergen, galten sie doch zu sowjetischen Zeiten als Vaterlandsverräterinnen.

Nun sahen wir Bilder aus einem Ferienlager von Berliner und Moskauer SchülerInnen, organisiert von Jan Illig, unserem KONTAKTE-Mitarbeiter, und Oksana, der russischen Lehrerin. Wir hörten Auszüge aus den Lebensberichten der Frauen, die die Schülerinnen sich hatten erzählen lassen und aufschrieben. Und wir hörten von einer gemeinsamen Aktion der NS-Opfer und der Jugendlichen: Sie hatten Geldspenden und Geschenke zusammengetragen für überlebende Kinder des Schulmassakers von Beslan (Tschetschenien). Und sie hatten die Kinder in einem Moskauer Krankenhaus besucht! Ein bewegender Nachmittag in der Schule der Selbstbestimmung.

P.S. An eben diesem Tag erhielt Eberhard Radczuweit, langjähriger Projektleiter von KONTAKTE-KOHTAKTbI e.V., als erster Ausländer die Ehrenbürgerschaft der Schule der Selbstbestimmung. Herzlichen Glückwunsch!

Nun also saßen wir im Berliner Taxi mit russischem Chauffeur, im Gepäck kaum Souvenirs, aber erfüllt mit Erinnerungen an sieben intensive Tage in Moskau und Jaroslawl, bereichert durch neue Erfahrungen, gedrängt von zukünftigen Aufgaben. „Die Zukunft der Welt“, so heißt es in rabbinischer Weisheit, „liegt auf dem Atem der lernenden Kinder“.

P.S. Ein besonderer Dank geht an die Studierenden der gemeindepädagogischen Weiterbildung in Brandenburg (B/03). Ihre spontan gesammelte Geldspende wurde zu einem Baustein der Hoffnung für Svetlana und ihren Sohn Andrjuscha, der im Alter von zehn Monaten an Leukämie erkrankte. Heute, ein Jahr später, liegt er mit einem Rezidiv in der Morosov-Kinderklinik Moskau.

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