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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Erfolgreiche Krebsbehandlung durch abgestimmtes Handeln.

Bericht von der Studienkommissionssitzung der Studie ALL-MB 2000 in Moskau am 21. November 2003.

Von Dr. med. Arend von Stackelberg [1].

Ein bis zwei mal pro Jahr treffen sich Mitarbeiter der an der Studie ALL-MB 2000 beteiligten Zentren. Sie besprechen aktuelle Probleme und Entwicklungen und tauschen ihre Erfahrungen aus. Im Winter findet dieses Treffen immer im Rahmen eines allgemeinen Symposiums für Russische Kinder-Hämatologen und Onkologen statt, das vom Institut für Kinderhämatologie unter der Leitung von Prof. A. Rumiantsev organisiert wird.

Die Studie ALL-MB 2000 ist nach wie vor die einzige funktionierende multizentrische Studie im Bereich der Kinderhämatologie und Onkologie in Russland. Inzwischen sind etwa 30 Zentren aus Russland und Weißrussland an der Studie beteiligt. Somit ist mit etwa 400 leukämiekranken Kindern pro Jahr zu rechnen, die im Rahmen dieser Gruppe behandelt werden.

Nach anfänglichen Berührungsängsten mit dieser Art der Zusammenarbeit, die ja eine Einschränkung der individuellen Entscheidungsfreiheit des Arztes bedeutet, indem er nach einem fest vorgegebenen Protokoll behandelt und die eine externe Kontrolle des Zentrums beinhaltet, indem Daten an eine Studienzentrale weitergeleitet werden, sind inzwischen alle Zentren von dem enormen Vorteil des gemeinsamen Vorgehens überzeugt.

Das Behandeln nach einem vorgegebenen Protokoll ermöglicht eine Vergleichbarkeit der Daten, eine standardisierte Behandlung auf hohem Niveau. Die zentrale Erfassung der Daten erlaubt eine Qualitätskontrolle und ist gleichzeitig Garant für die Sicherheit der Patienten, da bei Häufung von unvorhergesehenen Problemen sofort alle Zentren verständigt werden können.

Auf dem Treffen am 21.11. wurden vorläufige Ergebnisse der laufenden Studie vorgestellt. Die Diskussionsleitung übernahm der Studienleiter Dr. Karatschunski. Es wurde festgestellt, dass es zu keinen unvorhergesehenen Nebenwirkungen kommt und dass alle zuvor definierten Abbruchkriterien nicht erfüllt sind.

Derartige Analysen sind obligatorischer Bestandteil von multizentrischen Studien, um die Sicherheit der Behandlung zu gewährleisten.

Ein wichtiges Thema auf der Tagung war die Erweiterung einer randomisierten Fragestellung auf alle Zentren, die bis jetzt nur in ausgewählten größeren Zentren durchgeführt wird. Dabei geht es um die optimale Dosierung von Methyprednisolon im Vergleich zu Dexamethason, beide Substanzen zugehörig zu der Gruppe der Kortikosteroide (Kortisone).

In den größeren Zentren wurde neben den Standard-Dosierungen der beiden Substanzen auch eine deutlich höhere Dosis des Methylprednisolons randomisiert eingesetzt. Davon verspricht sich die Gruppe eine bessere antileukämische Wirkung. Da aber auch mit mehr Nebenwirkungen zu rechnen ist, wurde diese Frage zunächst auf wenige Zentren beschränkt.

Die ersten nun präsentierten Daten sprechen für eine gute Verträglichkeit auch der höheren Dosierung. Daher wurde dieser Therapiezweig auch für die übrigen Zentren geöffnet, allerdings nur für diejenigen, die dies beantragen, da einige nach wie vor skeptisch dieser Intensivierung der Behandlung gegenüberstehen.

Ein wichtiger Beitrag war die Frage nach der Häufigkeit von osteoporoseartigen Spätfolgen nach der Therapie, die in einem Zentrum offensichtlich gehäuft vorkamen. Diese Schäden konnten aber am ehesten auf die Leukämie selbst, die initial ausgedehnt die Knochen infiltriert, zurückgeführt werden. Es wurde allerdings beschlossen, dieser Frage in Form einer Umfrage an die Zentren noch einmal gründlicher nach zu gehen.

Schließlich wurde beschlossen, auch für Patienten mit Rückfall der Erkrankung eine kooperative Behandlungsstudie zu gründen, da für diese Situation bis jetzt keine standardisierte Therapie zur Verfügung stand. Frau Prof. Olga Aleinikova, Leiterin des Zentrums für Kinderonkologie/Hämatologie in Minsk, wurde damit beauftragt, ein Konzept für die Behandlung von Kindern mit ALL-Rezidiv zu entwickeln. Dafür wurde eine wissenschaftliche Unterstützung durch Prof. Henze und Dr. v. Stackelberg, die eine solche Studie für deutsche Kinder von Berlin aus durchführen, angeboten.

Im Rahmen des Treffens gab Prof. Henze aus Berlin einen Vortrag mit einem umfangreichen Einblick in die Biologie und die Behandlung der akuten lymphoblastischen Leukämie im Kindesalter mit Schwerpunkt auf Ergebnisse im deutschen Raum.

Das Treffen gab darüber hinaus natürlich Gelegenheit, persönlich Kontakte zu knüpfen bzw. zu vertiefen. Es wurde die Möglichkeit diskutiert, über die Studienstiftung des Berliner Abgeordnetenhauses Ärzte aus Russland für ein wissenschaftliches Projekt in Berlin zu unterstützen und es wurden zwei Kandidaten (Jekatherinenburg, Nizhny Novgorod) benannt, die für die nächste Bewerbungsrunde in Frage kommen.

Insgesamt ist das Treffen sehr erfreulich verlaufen. Die Studie kann als großer wissenschaftlicher Erfolg der Russischen Kinderhämatologie/Onkologie angesehen werden, von dem die leukämiekranken Kinder durch eine standardisierte Behandlung mit hervorragenden Ergebnissen profitieren können.

Die Unterstützung der Behandlung, aber auch der organisatorischen Aspekte der Studiengruppe durch die Organisation KONTAKTE-KOHTAKTbI e.V. und durch das unermüdliche Engagement von Eberhard Radczuweit, hat einen erheblichen Anteil am Gelingen dieses Projektes, was von den russischen Kollegen immer wieder mit großer Dankbarkeit betont wird.

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[1] Dr. med. Arend von Stackelberg ist Hauptarzt auf der Onkologie/Hämatologie der Kinderklinik in der Charité Berlin und Vorstandsmitglied von KONTAKTE-KOHTAKTbI e.V.

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