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KONTAKTE-KOHTAKTbI
Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.
Verehrte Freunde!
Nach langem Schweigen nutze ich die Gelegenheit, Ihnen allen Ostergrüße zu senden und Ihnen langanhaltende Gesundheit und Erfolg in Ihrem Wirken zu wünschen. Danke für alles, was Sie für uns getan haben. Wir denken oft an Sie. Es ist sogar schwer vorstellbar, wie wir leben und arbeiten würden, wenn nicht die Sanierung und alle Hilfe gewesen wären, die Sie uns erwiesen haben und weiterhin erweisen.
Bei uns ist alles ziemlich schwierig. Neben einer spürbaren Verbesserung des Lebens, der Versorgung des Krankenhauses und der Abteilung werden die Schrauben allmählich fester angezogen, verstärkt sich der Druck der Verwaltung und, was das Unangenehmste ist, wächst der Ärger über unser Dasein im Krankenhaus.
Wir alle (Hämatologen und Onkohämatologen) werden wieder zur Last für die Krankenhausverwaltung. Unsere Abteilungen sind sehr teuer, für Arzneimittel und Verbrauchsmaterial gehr sehr viel drauf, all das ärgert die wahren Herren des Krankenhauses – die Verwaltung und den Finanzdienst (die Buchhaltung). Das Bestreben, uns auf jede Weise einzuschränken und möglichst zu kürzen, ist offensichtlich. All das ist schwer zu beschreiben, aber es ist fast wieder wie vor zehn Jahren, als allein das Wort „Hämatologie“ im Krankenhaus so etwas wie ein Schimpfwort war.
Die Ursache dafür ist schon verständlich – die Krankenhausverwaltung möchte mit medizinischen Dienstleistungen Geld verdienen und überall sparen (außer für ihre eigenen Interessen). Bei uns kann man aber weder etwas verdienen noch einsparen. Darum gibt es bei uns wieder überwunden geglaubte Probleme – Mangel an Arzneimitteln und an einigen Verbrauchsmaterialien.
Im vergangenen Jahr hat die Verwaltung die Hälfte aller Mittel für den Kauf neuer chirurgischer Instrumente ausgegeben, und im September 2003 war klar, dass wir bis zum Februar 2004 keinerlei Arzneimittel kaufen konnten. Die ganze Zeit (bis Ende Februar) lebten wir buchstäblich von der Hand in den Mund und schlugen uns mit Wasser und Brot durch.
Besonders schlimm war es im Dezember und Januar, als im Krankenhaus mit allem auf einmal Schluss war – mit Antibiotika, Chemopräparaten, Spritzen und allem übrigen, selbst dem Elementarsten (beispielsweise Lösungen und Lasix. Fast alles kauften die Eltern und Lina Sinowjewna. Zweimal war ich gezwungen, auf eigenes Risiko Schulden zu machen und aus Mitteln von KONTAKTE-KONTAKTbI – die für die Ventilation bestimmt waren – die notwendigsten Arzneimittel zu kaufen (ich habe etwa 2000 Euro ausgegeben), damit die Kranken überleben konnten.
Jetzt ist es ein bisschen leichter geworden, allerdings werden alle Präparate im Krankenhaus ohne Wissen der kompetenten Abteilungen gekauft. Deshalb fehlt immer irgend etwas, und man muss sich gehörig aufregen.
Angesichts der veränderten Einstellung – „sie werden schon zurechtkommen, für die wird ohnehin viel Geld ausgegeben“ – sind im Krankenhaus von Zeit zu Zeit manche Medikamente überhaupt nicht aufzutreiben. Nach meinen Blitzberechnungen werden derartige Ausgaben noch zunehmen und monatlich nicht weniger als 1000 bis 1500 Euro betragen (mal sind Antibiotika zu kaufen, mal Desinfektionsmittel, mal Soda, mal rN-Streifen, mal was anderes).
In dieser Situation steht wieder die Überlebensfrage, wenn auch nicht so scharf wie vor zehn Jahren. Und wieder müssen wir auf Ihre Hilfe hoffen.
Natürlich wirbeln wir hier aus allen Kräften, aber Geld für irgendwelche neuen Geräte findet sich viel leichter als für Papiertaschentücher und Toilettenpapier oder gar für ein Medikament für die ganze Abteilung. Wenn jemand Hilfe findet, dann möchte er unbedingt einem bedürftigen Patienten helfen, aber Geld für alle will niemand ausgeben. Jetzt sind die laufenden Reparaturen und eine Grundreinigung der Abteilung fällig, und ich weiß nicht, wo ich die annähernd 1500 Euro für Reinigungsmittel, Farben Leim usw. hernehmen soll. Gut wäre es, die Fußböden mit einem Spezialwachs einzureiben, aber auch das kostet viel Geld.
Kurzum, wir brauchen ein paar flüssige Mittel für die anfallenden Extraausgaben, die wir natürlich schnell mit den üblichen Quittungen und Rechnungen belegen würden.
Bei den Verbrauchsmaterialien haben wir gegenwärtig keine großen Probleme. Aber auch hier müssen periodisch Kleinigkeiten eingekauft werden (für 250 bis 300 Euro im Monat). Das größte Problem werden in naher Zukunft (etwa Ende des Sommers) die T-Extengeren sein, die hier nicht mit Feuer aufzutreiben sind. Natürlich gibt es kurze 10-cm-Braun-Leitungen mit einem Hahn, aber die sind viel weniger günstig als unsere geliebten Abbotts.
Zur Ventilation. Es sind keine eineinhalb Jahre vergangen, seit das Krankenhaus sie immerhin zur Wartung übernommen hat. Endlich wurden Kostenvoranschläge gemacht und der Kauf von Filtern, Befeuchtern und Elektromotoren eingeplant. Es ist nicht ausgeschlossen, dass man uns zusätzliche Konditionierer in die Ordination stellt und vielleicht sogar das System umbaut, damit es in einigen Räumen nicht so heiß ist. Also das Eis ist gebrochen.
Braunol. Endlich sind alle Fragen gelöst, und nach Zahlung von 300 Euro wird er jetzt „utilisiert“ (ich schreibe extra nicht „vernichtet“, damit Eberhard nicht krank wird). Ich weiß nicht, ob man das Eberhard sagen kann, aber es war der einzige Ausweg. Wir mussten so lange warten, bis der größte Teil die Haltbarkeitsfrist überschritten hatte, denn einen noch brauchbaren konnten wir nicht vernichten.
Außer den bereits beschriebenen Problemen mit Arzneimitteln usw. gibt es weiteren Bedarf. Meines Erachtens sind das vor allem Bücher, medizinische Periodika, Zugang zum Internet und alles was sonst zur Bildung gebraucht wird. Nach den Arzneimitteln ist das die Hauptsache, denke ich.
In diesem Halbjahr haben wir ein paar dringend benötigte Bücher über Lymphome und weiche Sarkome geschenkt bekommen oder selbst gekauft, aber das ist noch sehr wenig. Ich würde gern ein kleines Projekt zu diesem Thema aufstellen, speziell zum Kauf von Büchern und zur Bestellung von ein paar der wichtigsten Zeitschriften über Kinderonkologie und Hämatologie.
Wie früher wäre es schön, die Arbeit der Charité von innen zu sehen, auch wenn es nur kurz ist. Vielleicht lohnt es sich, die Idee einer Reise von zwei bis drei Ärzten für zwei bis vier Wochen zur Information nach Berlin auferstehen zu lassen. Mich interessiert zum Beispiel die Arbeitsorganisation in der Abteilung (sehen, wer was zu tun hat, wie der Tag für das Personal und den Kranken organisiert ist, wie die Schwestern arbeiten usw.). ich weiß zwar nicht, wie das bei meinen bescheidenen Englisch- und fehlenden Deutschkenntnissen zu machen ist – da ist ein Begleiter nötig.
Vielleicht kann man ein kurzes Praktikum für Larissa zum Thema Lymphom in der Gruppe NHL arrangieren. Von hier aus ist das sehr problematisch, da Reiter sich sehr negativ zum Wissenschaftlichen Institut für Kinderhämatologie verhält. Überhaupt, weil sich bei uns das Kontingent an Kranken verändert hat, sind auch die Probleme anders geworden.
Die primären ALL sind fast verschwunden, es gibt viel mehr Lymphome und Rezidive, alle möglichen Sarkome usw. im 4. Stadium mit inoperablen Befunden, die wir nicht richtig heilen können (wenn sie überhaupt irgendwo zu heilen sind).
Das ist in Kürze alles.
Mit den allerbesten Wünschen,
Litwinow Dmitri,
Moskau, 5. April 2004.
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