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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Weil die Kinder uns vertrauen….

Aufgeben und fortgehen kommt nicht in Frage.

Gedanken der Krankenschwester Shanna W. Suprun aus der Morosow-Kinderklinik

Ich bin Krankenschwester. In der Hämatologie arbeite ich schon seit 10 Jahren. Anfangs war ich im Republiks-Kinderkrankenhaus bei Sascha Karatschunski. Dann bat mich Andrej Michailovitsch Timakov, bei ihm in der „Morosovka“ anzufangen.

Anfangs, als die neuen Therapie-Protokolle eingeführt wurden, war es natürlich schwer. Die Schwestern mußten erst lernen, auf neue Art zu arbeiten.

Jetzt läuft die Arbeit schon weitgehend normal. Trotzdem gibt es Probleme, die aber mit der Lage im Lande zusammenhängen. Es fehlen zum Beispiel Medikamenten. Wir zählen schon die Packungen, wieviel von den einzelnen Präparaten noch vorrätig ist. Unsere Angst ist, daß wir ein „Kind mit Perspektive“ weiter behandeln werden, aber wenn es „keine Perspektive“ hat…?

Bisher behandeln wir alle – bis zum letzten Atemzug. Aber wenn es wirklich soweit kommt, wenn wir wirklich anfangen, die Kinder in solche „mit Perspektive“ und „ohne Perspektive“ einzuteilen, was soll da herauskommen?

Es kommt doch vor, daß es anscheinend hoffnungslos ist, und auf einmal „hopp“ und das Kind „kommt“, es fängt an, auf die Behandlung zu reagieren. Und ebenso gibt es Situationen, da hat man alles getan und trotzdem stirbt ein Kind und du mußt zusehen…

Heulen geht nicht – wie soll ich denn verheult, mit roten Augen zu einem anderen Kind gehen? Darum raucht man, vertreibt den Streß und geht dann.

Es kommen auch komische Sachen vor.

Ein kleines Mädchen: drei Tage hatte sie keinen Stuhlgang, da mußte ein Klistier her. Tränen – ich will nicht. Ich rede ihr zu: „Ich mache es ganz vorsichtig.“ Natürlich tat es weh, anders geht es nicht. Schließlich ging aber alles gut. Wir haben sie entlassen, und zu Hause sagte sie eines Tages: „Mama, ich habe keinen Stuhlgang, wir müssen zu Shanna fahren, damit sie mir ein Klistier macht.“

Kinder vergessen eben nichts. Sie erinnern sich an das Krankenhaus und die Schwestern. Manchmal sitzt du da und die Wangen brennen. Du denkst: „Was soll das?“ Aber da denken in dem Moment eben die Kinder an dich. Solche fröhlichen Kinder.

Wie könnte man sie denn verlassen?

Trotzdem denkt man manchmal darüber nach: „Genug, ich kann nicht mehr. Ich werfe alles hin.“ Weil… es ist einfach schwer, man spürt, daß man keine Kraft mehr hat. Alles kommt zusammen – Schlaflosigkeit, alles ist nicht so, wie es sein soll. Man wird nervös und will gehen.

Und dann denkst du: „Nun gehst du also. An deine Stelle kommt eine Fremde. Was soll da werden?“ Um die Kinder tut es dir leid, sie haben sich doch gewöhnt.

Bei uns halten es nicht alle aus. Manche kommen, fangen an zu arbeiten, sehen, daß es schwer ist, und gehen wieder. Als ich selbst von der Schwesternschule in das Republik-Krankenhaus kam, war es für mich auch schrecklich – aber vor allem hatte ich Angst um die Kinder.

Ich habe nicht geschlafen. Ich wußte überhaupt nicht mehr, was Schlaf ist. Wie kann ich mich hinlegen, und ein Kind geht unterdessen hinüber?

Das würde ich mir mein Leben lang nicht verzeihen. Also gehe ich wie eine Uhr.

Nach einem Jahr Arbeit ging ich stolz erhobenen Hauptes umher. Die Eltern erwarteten mich, die Kinder liebten mich. Ich kam, und sie sagten: „Oh, da ist Shannotschka gekommen.“ Das war so angenehm. Ich ging stolz zur Arbeit.

Ich wußte, ich bin Schwester. Wirklich, SCHWESTER mit großen Buchstaben.

Nein, wirklich, man muß Optimist sein. Wenn man an nichts mehr glaubt, was bleibt dann noch? Soll man sich vergiften oder erschießen? Warum? Es gibt doch ringsum so viele gute Menschen…

Ich bin nicht getauft, nicht gläubig, obwohl ich das niemandem ausrede. Ich balanciere irgendwo „dazwischen“. Aber ich bin ein starker Mensch, vielleicht arbeite ich deshalb auch hier – trotz alledem.

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