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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Medizinisches Programm „Moskau-Berlin“ in Burjatien.

24.09.2009

In Burjatien ist der Leiter der Onkologie-Abteilung des wissenschaftlich-klinischen Föderationszentrums für Kinder-Hämatologie, Onkologie und Immunologie, Professor Alexander Karatchunskij, eingetroffen. Im Rahmen der Moskauer Tage in Ulan-Ude traf er mit den Fachärzten hier vor Ort zusammen.

In dieser Abteilung ist es fast menschenleer. Allerstrengste sanitäre Vorschriften und Zugang nur mit Passierschein. Hämato-onkologisch Kranke gehören zu den kompliziertesten der Welt.

Handa Cyrenova, Leiterin der hämato-onkologischen Abteilung des Republiks-Kinderkrankenhauses: Jedes Jahr werden bei uns im Schnitt bis zu 30 primäre bösartige Neubildungen registriert. Die Patientenliste ist nicht nach einzelnen Kriterien unterteilt. In der Regel sind die Gründe sehr verschieden – von schwierigen Viren bis zu einfachsten Infektionen. Eine solche Erkrankung vorherzusehen ist praktisch unmöglich.

Irina Muminova, Mutter eines Patienten der Abteilung: Wir wären nie auf die Idee gekommen. Früher haben wir im Fernsehen gesehen, dass Kinder an Leukose und Krebs erkranken. Und wir sind ins Krankenhaus gegangen und man hat uns sofort in die Stadt überwiesen. 5 Monate sind wir schon hier. Hätten sich Irina und Rustam vor 10 Jahren hier ans Krankenhaus gewandt, hätte es vielleicht keine Aussichten auf einen Sieg gegeben. Aber jetzt gibt es in unserer Stadt Heilungschancen für solche Kranke. Mehr noch, ungefähr seit 2 Jahren arbeitet die Kinderklinik in diesem Bereich nach dem Programm „Moskau-Berlin“, d.h., in der Einrichtung gibt es ein Multizentrum, mit dessen Hilfe Spezialisten aus Moskau oder aus Deutschland die Behandlung eines komplizierten Falles leiten können.

Alexander Karatchunskij, Leiter der Onkologieabteilung des wissenschaftlich-klinischen Föderationszentrums für Kinderhämatologie, -Onkologie und -Immunologie: Auf der Basis nur einer Klinik kann man nicht verstehen, wie man diese Kinder richtig heilt. Das kann man nur in einer Klinik-Mannschaft leisten, in der es viele Kliniken gibt. Wir nehmen die Behandlungserfahrungen aus allen Kliniken zusammen, die hierbei nach einheitlichen Standards und einem einheitlichen Programm arbeiten. Das nennen wir multizentrische Forschungen. Dieses Programm gibt es jetzt seit 15 Jahren. Innerhalb dieser Zeitspanne ist es dank der gemeinsamen Anstrengungen der Mediziner gelungen, die Überlebenschancen der leukämiekranken Kinder von 10 auf 80 % zu erhöhen. Zudem gibt es jetzt auch eine einheitliche Basis solcher Patienten.

Diese Forschung wird jetzt in einer ständigen Kooperationsgruppe geleistet. Das bedeutet, dass wir uns 2 Mal im Jahr in Moskau treffen. Jedes Kind, das an akuter lymphoblastischer Leukämie erkrankt, wird bei uns in Moskau innerhalb von 2–3 Tagen registriert und wir leiten die Behandlung dieser Kinder online. Tatsächliche Treffen von Kollegen aus den verschiedenen Regionen gibt es nicht oft und sie dauern nicht lange. So ist z.B. unser heutiger Gast, Professor Karatchunskij, nur für einige Tage hier her geflogen. Es können jedoch in den kommenden Jahren mehr Besuche werden – Professor K. gab der Hoffnung auf eine Ausweitung des Programmes Ausdruck, d.h., dass das Multizentrum auch Patienten mit anderen Erkrankungen unter Beobachtung nimmt, und entsprechend stehen uns nicht wenige Veränderungen bevor.

Medizin Sarzhana Merdygeeva

3. 10. 2009

Krebs und Kinder

Die burjatischen Kinderonkologen arbeiten nach internationalen Standards.

Krebs und Kinder … Im Bewusstsein des Normalbürgers sind das unvereinbare Begriffe. Dabei leiden 290 Kinder in der Republik an hämato-onkologtischen Erkrankungen. Wie wird der Kampf gegen diese Krankheiten, die bis vor Kurzem als unheilbar galten, geführt? Darum geht es in dem Gespräch mit Alexander Karatchunskij, Professor am wissenschaftlich-klinischen Föderationszentrum des Russischen Gesundheitsminsiteriums für Kinderhämatologie, -Onkologie und-Immunologie.

Alexander Karatchunskij ist auf Einladung des Gesundheitsministeriums von Burjatien in die Republik gekommen. Auf dem Besuchsprogramm steht die Erforschung der Arbeitserfahrung des hämato-onkologischen Zentrums der Republik Burjatien und die Durchführung eines Seminars für Ärzte der verschiedensten Fachrichtungen, nämlich Kinderchirurgen, Traumatologen, Neuropathologen usw. Das Grundproblem ist in der Kinderonkologie das selbe wie bei Erwachsenen – das Erkennen der Krankheit in einem möglichst frühen Stadium. Davon hängt alles ab – die Anwendbarbarkeit der radikalsten Heilungswege, die Effektivität der Behandlung und die Überlebensprognose des Kindes. Deshalb muss jeder Spezialist, der mit Kindern arbeitet, besonders wachsam im Umgang mit dem Krebs sein und die neuesten Kenntnisse auf diesem Gebiet besitzen.

Gemeinsames Thema, gemeinsame Erfahrung, gemeinsame Kenntnisse

Professor Karatchunskij ist der Koordinator des internationalen multizentrischen Forschungsprogramms „Moskau-Berlin“. Das Wesentliche dieses Programms ist, dass alle Teilnehmer nach einheitlichen Standards, den sogenannten Protokollen, arbeiten. Das sind nicht nur einheitliche Behandlungsschemata, einheitliche Pflegestandards für Kinder mit „Null“-Immunität nach der Chemotherapie. Die Hauptsache ist das Prinzip der „Rückkoppelung“ , bei dem ein ununterbrochener Strom von Informationen über die Ergebnisse der Anwendung des einen oder anderen Präparats in einem Zentrum zusammenfließen. Im Zentrum wird die Information bearbeitet, analysiert, und auf dieser Basis läuft ein ständiger Prozess der „Verfeinerung“ der Schemata, Dosen und Formeln. Es gibt natürlich fertige Behandlungsprotokolle, da es die Technologie der multizentrischen Forschung im Westen schon seit Beginn der 70er Jahre gibt. Aber als man versuchte, sie unter russischen Verhältnissen anzuwenden, erwiesen sie sich als äußerst toxisch. Nach den Worten von Alexander Karatchunskij starben am Beginn der 90er Jahre 20–30 % der kranken Kinder an Komplikationen im Gefolge der Chemotherapie. Deshalb begründeten Professor Karatchunskij und der deusche Professor Henze (hier: Hensel) 1995 das Programm „Moskau – Berlin“.

„Das ist keine Bevormundung von Burjatien oder anderen Regionen durch Moskau – fährt Alexander Isaakovitch fort. – Das bedeutet nicht, dass Moskau die Hauptrolle spielt und am schlauesten ist. Für mich ist es sehr wichtig, dass wir alle Freunde, Partner, Kollegen sind, dass zwischen uns absolut gleichberechtigte Beziehungen bestehen. Wir lernen von den anderen Städtern, ihre Erfahrung wird Allgemeingut. Der ganze Sinn des Programms ist, dass man es nicht mit der Erfahrung nur einer Klinik mit 30–40 Patienten und einer Gruppe von Ärzten zu tun hat.

Organisation ist wichtiger als tolle Leistungen

Bisher wird das Programm nur bei einer Erkrankung angewandt – der akuten lymphoblastischen Leukose. Ohne Chemotherapie ist das eine absolut tödliche Erkrankung, alle Kinder sterben innerhalb von 3 Monaten.

Wie wirksam ist das Programm? Auf unsere Frage antwortete Alexander Isaakovitch ganz unmissverständlich: „ Am Beginn der 70er Jahre war die Überlebenschance dieser Kinder auf der ganzen Welt 10–15 %. Jetzt hat sie 80 % erreicht. Der „Gag“ dabei ist, dass seit Beginn der 70er Jahre nicht ein einziges neues Präparat zur Behandlung der akuten lymphoblastischen Leukose erfunden wurde. Alles, was den Unterschied zwischen 10 % und 80 % ausmacht, ist die Optimierung der Therapie mit Hilfe von angemessen funktionierenden multizentrischen Forschungen.“

Es gibt den Ausdruck „Organisation ist wichtiger als tolle Leistungen“. Er drückt am besten den Sinn des Programms „Moskau-Berlin“ aus. Die angemessene Organisation jedweden Prozesses ist immer wichtiger als die allertollsten Leistungen. Auch wenn in Moskau jede Menge genialer Köpfe an dem Problem arbeiten würden, auch wenn noch so viele Patienten nach bestimmten Quoten dorthin geschickt würden, wäre es nicht möglich, einen derart kolossalen Durchbruch zu erreichen. Die Heilungschancen der Kinder mit akuter lymphoblastischer Leukose in Russland liegen bei 75 % . Und, was das wichtigste ist, das gilt für Moskau, aber auch für Cherpovits und für Burjatien.

Hauptrichtung der Entwicklung

Die Fachärzte des WKFZ wollen die Technologie der multizentrischen Forschung auch auf andere bösartige Erkrankungen bei Kindern wie auch bei Erwachsdenen ausdehnen. „Unserem Beispiel der Organisation einer derartigen Kooperation von Kliniken entspricht die Haup-Entwicklungslinie der russischen Medizin auch auf anderen Gebieten – sei es die Kardiologie, Endokrinologie oder die Behandlung von Infektionskrankheiten, – sagt A. Karatchunskij. – Ich hasse das Wort „Provinz“, es widerspricht der Idee unseres Programms zutiefst. Es darf nicht die Situation geben, dass man in Moskau mit guten Präparaten behandelt wird und nur etwas weiter weg mit dem, was da ist.“

Nach den Worten der stellv. Gesundheitsministerin von Burjatien, A. O. Zandanova, drückte der Gast seine große Zufriedenheit mit der gemeinsamen Arbeit und der Bereitschaft zu weiterer Zusammenarbeit nicht nur bei neuen Behandlungstechnologien für Kinder, sondern auch im Bereich der Ausbildung unserer Fachärzte in Moskau und in Deutschland aus. Im Gespräch mit uns brachte Professor Karatchunskij seine Hochschätzung der Arbeit unserer Fachärzte mit den Worten zum Ausdruck: „Für uns ist es eine große Ehre, dass Burjatien seit 1,5 Jahren an unserem Programm Teil nimmt. Unsere Zusammenarbeit wurde möglich dank dem Verständnis und der Unterstützung der Führung der Republik, des Gesundheitsministeriums, und der persönlichen Unterstützung der Ministerin Valerija Kozhevnikova und der leitenden Ärztin Ajura Bimbajeva.“

Olga Madasova, Zentrum für medizinische Prophylaxe de Rep. Bujatien

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