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KONTAKTE-KOHTAKTbI
Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.
Liebe Freunde von KOHTAKTbI!
Wie immer muss ich mich entschuldigen für das lange Schweigen. Dies ist vor allem bedingt durch Mangel an Zeit und Kraft und nicht durch meinen Unwillen. Wir alle haben viel zu tun – besonders in letzter Zeit, da viele unserer Ärztinnen in Urlaub waren.
Nachdem Prof. Karatschunski die Klinik verlassen hat, ist unsere Verantwortung und psychische Belastung größer geworden, denn jetzt kann man nicht einfach ins Nebenzimmer gehen und ihn fragen, für alle unsere Fehler müssen wir selbst gerade stehen.
Wir hoffen, dass in Zukunft keine Fehler mehr vorkommen, aber bis dahin ist noch ein langer und schwerer Weg. Somit werden Sie verstehen, dass ich in der Klinik keine Zeit zum Schreiben habe und zu Hause warten auf mich meine Frau, unser kleines Kind, die Berge von Wäsche und schmutzigem Geschirr. Nachts versuche ich meine Habilitationsarbeit zu beenden (statistische Kleinarbeit) oder meinen Computer vom Virus zu befreien.
Wir haben viele Schwierigkeiten unterschiedlicher Art. Viele Medikamente fehlen wieder. Auch unsere Belüftungsanlage hat wohl ihr Eigenleben und will unseren Bedürfnissen nicht entsprechen. Wenn es draußen heiß ist, kochen wir hier drinnen und wenn es kalt ist, sind wir schon längst eingefroren. Bis die Temperaturregler funktionieren (im Moment sind wir auf der Suche nach einem geeignetem Anbieter auf Kosten des Krankenhauses), werde ich auf den Luftbefeuchter verzichten.

Ein junger Patient wird untersucht.
Ein anderes großes Problem besteht darin, dass während der langen Regenzeit die Röhren unserer Anlagen undicht wurden. Natürlich haben wir in unserer Klinik nicht solche Überschwemmungen wie man sie im Fernsehen aus Europa sieht. Allerdings tropft es in einem Krankenzimmer von der Decke. Bis jetzt haben wir notdürftig die Decke repariert und ein Paar zusätzliche Löcher in die Röhre gebohrt in der Hoffnung, dass das Wasser dadurch woanders entweichen kann. Bis jetzt wissen wir noch nicht, ob unsere Idee funktioniert, denn seitdem gab es keine starken Regenfälle.
Ich mache mir große Sorgen über den bevorstehenden Ärztemangel. Nicht nur, dass Prof. Karatschunski weg ist, zwei unserer Ärztinnen werden bald in Mutterschaftsurlaub gehen. Mit ihnen wird uns auch ein Teil unserer Erfahrungen und Kenntnisse fehlen.
Allgemein streben wir danach, unsere theoretischen Kenntnisse auf dem Gebiet, wo wir täglich arbeiten, zu verbessern. Bis jetzt hat keiner von uns genug Deutsch gelernt, um an ein Praktikum in Deutschland zu denken. Ich habe versucht, unsere Bibliothek auf Kosten einiger pharmazeutischer Firmen aufzubessern. Dies ist mit vielen Schwierigkeiten verbunden.
Allerdings habe ich schon drei wichtige Bücher (natürlich auf Englisch) ergattert und hoffe auf weitere fünf. Es ist zwar noch nicht so viel, doch immerhin etwas. Larissa (eine unserer Ärztinnen) fährt für einige Wochen in die USA, um dort in einem Krankenhaus neue Erfahrungen zu sammeln und bringt, vielleicht, auch nützliche Literatur mit. Ich weiß nicht, könnten Sie eventuell uns in dieser Sache (bez. wissenschaftlicher Literatur) unterstützen, denn immerhin ist dies eine recht spezifische Bitte?
Ein weiteres sehr wichtiges Thema für uns sind die Medikamente. Ich weiß nicht, was wir ohne ihre Hilfe bezüglich Tienam gemacht hätten. Dieses Medikament hilft uns in unserer täglichen ärztlichen Praxis sehr. Jeden Tag wird mir bewusster, dass Prof. Karatschunski mit seiner Behauptung, dass Tienam Rettung für schwere Fälle ist, Recht hatte. Trotz langer Anwendungszeit haben wir in der Abteilung immer noch 100prozentige Wirkung.
Ich muss wahrscheinlich nicht mehr erwähnen, dass die Eltern sich dieses Medikament für ihr Kind einfach nicht leisten können. Im Sommer haben wir 15 Patienten mit diesem Medikament behandelt. Ich wollte später eine Statistik erstellen und Ihnen genauer über diese Patienten berichten mit persönlicher Geschichte und vielleicht mit Fotos. Wir sind auf dieses Medikament angewiesen und würden uns aufrichtig über weitere Unterstützung freuen.
Vielen Dank für Ihre Hilfe und Unterstützung.
Mit besten Wünschen und freundlichen Grüssen,
Dmitrij Litvinov.
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