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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Spenden helfen krebskranken Kindern.

Seit dem Jahre 1990 haben sich unsere Hilfsmaßnahmen verändert. Am Anfang gab es in Folge der Wende in Russland den Zusammenbruch aller sozialen Systeme. Das Gesundheitswesen stand vor einem Neuanfang. Es fehlten Medikamente, Einwegmaterial, selbst einfaches Pflaster, Geräte. Ärzte und Krankenschwestern hungerten. Die Notrufe wurden im Westen gehört. Russland wurde mit offenen Armen als Mitglied der marktwirtschaftlichen Weltgemeinschaft aufgenommen. Auch die BILD-Zeitung rief auf zur Russlandhilfe. Der junge Verein KONTAKTE-KOHTAKTbI fand Gehör, Geld floss auf das Spendenkonto. Im Mainstream der Russlandhilfe war die Speditionsfirma Meyer & Meyer damals bereit, kostenlos große Mengen an Medikamenten und Einweg-Material nach Moskau zu bringen. Unser Partner Alexander Karatschunsky hielt das Materiallager im Republiks-Kinderkrankenhaus unter Verschluss, alle Hilfsleistungen wurden von ihm an die einzelnen onko-hämatologischen Stationen nach Bedarf verteilt. In der Ägide Jelzins gab es noch keine bürokratischen Schranken für Hilfsleistungen. So kamen auch dringend für die Chemotherapie benötigte, aber in Russland nicht registrierte Zytostatika auf den Weg, die anfangs von den Pharmabetrieben auch verschenkt wurden. Die Berliner Ärztekammer beförderte unseren Solidaritätsappell „ÄRZTE FÜR ÄRZTE“, so erhielten unsere Moskauer Partnerärztinnen und -ärzte Unterstützung in ihrem schweren Arbeitsalltag. Es gab unterschiedliche Gesten der Solidarität: Bohnenkaffee für das Ärztezimmer, ein Zentner Honig für die leukämiekranken Kinder im Republiks-Kinderkrankenhaus vom Berliner Imker Stephan Boerger. In Ausnahmefällen luden wir schwerkranke Kinder zur Behandlung an der Berliner Charité ein. Mit einem Spendeneinsatz von 500 000 Euro leisteten wir Aufbauhilfe für eine hochmoderne, zentrale Kinderkrebs-Station im Russischen Republiks-Kinderkrankenhaus. Soweit unterschied sich die humanitäre Hilfe nicht von der Arbeit zahlreicher Hilfsvereine im Westen.

Weil die Therapie leukämiekranker Kinder eine Frage von Leben und Tod ist, abhängig von richtiger Patientenpflege und dem medizinischen Wissen, das sich ständig anreichert im weltweiten Austausch der Ärzte und Wissenschaftler, war mehr als humanitäre Hilfe nötig. KONTAKTE-KOHTAKTbI fördert von Beginn an den Ärzteaustausch. Unsere langfristigen Berlinstipendien für russische Ärzte und das Pflegepersonal beförderten den Wissenstransfer von West nach Ost.

In den Mittelpunkt unserer Hilfe geriet die Unterstützung des Moskau-Berlin-Protokolls. Je mehr onko-hämatologische Zentren in russischen Kinderkliniken teilnahmen, verlagerten sich die Schwerpunkte unserer Unterstützungsmaßnahmen. Um die Unabhängigkeit dieser einzigen kooperativen multizentrischen Studiengruppe Russlands von der russischen Staatsmedizin, aber auch von westlichen Pharmakonzernen mit deren eigenen Interessen zu gewährleisten, musste KONTAKTE-KOHTAKTbI umfangreiche Hilfe gewähren: Die Studienzentrale steht unter der Leitung von Alexander I. Karatschunsky, sie befindet sich im Republiks-Kinderkrankenhaus/Moskau und wertet alle Patientendaten aus. Zwei Personalstellen für Statistik und Kommunikation werden von uns teilfinanziert. Alle Kommunikationsmittel und -kosten der 35 Zentren (Stand 2007) werden aus Spenden bezahlt, ebenso alle Tagungen der Studiengruppe. Diese jährlichen Zusammenkünfte sind bedeutsam für die weitere Entwicklung der Krebsbehandlung und bieten darüber hinaus vielen Kliniken, die sonst keine Kontakte zur medizinischen Außenwelt haben, den Zugang zur internationalen Fachwelt. Je nach Spendeneingang werden Einweg-Materialien (Broviak-Katheter, T-extension-systems) und bestimmte Medikamente für alle Zentren erworben. Die im Juni 2007 verabschiedete Programmphase mit fünfjähriger Laufzeit für insgesamt 2000 Kinder mit akuter lymphoblastischer Leukämie sieht als ein Schlüsselmedikament „Dexamethason“ vor. Die Berlin-Apotheke produziert in dem vorgegebenen Volumen diesen Wirkstoff auf Non-Profit-Basis ausschließlich für die ALL-MB 07-Gruppe. Mit der Zusage der regelmäßigen Belieferung aller Zentren ist eine Verantwortung übernommen worden, der wir uns nunmehr stellen.

Die „Russlandhilfe“ ist längst Geschichte geworden. In einem Land, das enorme Profite aus dem Erdöl- und Erdgasgeschäft zieht, erscheint humanitäre Hilfe als überflüssig. Doch jenseits der neurussischen Businesswelt schreiben Alexander Karatschunsky und seine engagierten Kolleginnen und Kollegen, die sich in einer demokratisch verfassten Studiengruppe dem Überleben krebskranker Kinder widmen, Medizingeschichte. Tausende Kinder gewinnen ihr Leben zurück, längst ziehen auch westliche Kinderonkologen Erkenntnisgewinn aus den Erfahrungen ihrer russischen Kollegen.

Deshalb ist unser Spendenaufruf so notwendig wie je zuvor!

Aus der Geschichte einer Partnerschaft.

Briefe und Gespräche.

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