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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Bankenkrach ließ Spendengelder einfrieren.

Trotzdem unverändert 100 DM Nothilfe für die Beschäftigten.

Ein Reisebericht von Eberhard Radczuweit (Mai 1999).

Es begann wie jede unserer Moskaureisen mit dem Einpacken von Medikamenten und medizinischem Material für die leukämiekranken Kinder. Entsprechend der Größe dieser Reisegruppe war das Volumen recht umfangreich. Nur ich mußte beim Zoll im Moskauer Flughafen den Koffer öffnen. Darin lag eine Kühlbox mit Medikamenten für zwei Patienten von Andrej Timakov, die wir für 12 240 DM eingekauft hatten.

Nur der heftigen Intervention von Andrej Timakov, Alexander Karatschunsky und Alexander Tubelsky, die zur Begrüßung erschienen waren, verdankten wir die Freigabe der Hilfsgüter.

Hingegen blieben die 20 000 DM Nothilfe der Aktion „Ärzte für Ärzte“ in meiner Jackentasche unbeanstandet. Mit diesem Geld hat es eine besondere Bewandtnis: Anfang August überwiesen wir eine Summe in dieser Höhe auf ein Konto der Moskauer INKOM-Bank für Andrej Timakov. Vier Monate lang hätten damit 50 Krankenschwestern, Ärztinnen und Ärzte eine monatliche Nothilfe von jeweils 100 DM erhalten. Kurz nach der Überweisung gab es den russischen Bankenkrach. Die Dokumentation des Versuchs, das Geld zurückzubekommen, würde einen dicken Ordner füllen. Selbst Timakovs Bittbrief an Boris Jelzin war vergebens.

Zwar sind diese Spendengelder nicht verloren, aber der Antrag auf Rückerstattung liegt in einer für das notleidende Personal unserer beiden Partnerstationen allzu langen Warteschleife. Deshalb habe ich 20 000 DM unserem Festgeldkonto entnommen, das von Mehrwertsteuer-Rückerstattungen des Finanzamtes stammt. Es war vorgesehen für Verwaltungskosten (10 Prozent der Spendenaufkommen). Ich hoffe auf das Einverständnis aller Spenderinnen und Spender. (Bei der Geldübergabe erhielt ich von beiden Chefärzten die von allen begünstigten Krankenschwestern, Ärztinnen und Ärzten unterschriebenen Belege seit Jahresbeginn.)

Wegen der ganztägigen Seminare an der Schule der Selbstbestimmung blieb diesmal wenig Zeit übrig für den Besuch der Partnerstationen. Es reichte aus, um den künftigen Bedarf der Onkologie/Hämatologie-Abteilung am Republiks-Kinderkrankenhaus zu hinterfragen.

Die vor fünf Jahren von der Deutschen Botschaft in Moskau übergebene große Miele-Waschmaschine gibt trotz aller Ersatzteile, die wir schickten, ihren Geist auf. Da es dem Personal nicht zumutbar ist, die tägliche Bettwäsche per Hand zu waschen, kaufen wir ein neues Gerät.

Alexander Karatschunsky bat uns um eine Stationsrenovierung. Risse in den Wänden und Fußböden erschweren die Hygienemaßnahmen. Weil erfolgreiche Spendenaufrufe immer schwerer werden, können wir nur eine notdürftige Reparatur bezahlen.

Viele unserer Partnerinnen und Partner, mit denen ich in Moskau sprach, sind jüdischer Herkunft. Seit der Bombardierung Jugoslawiens durch die NATO fühlen sie sich bedroht. Die Angst der Russen vor künftigen humanitären Einsätzen der NATO auf russischem Gebietme wird geschürt durch „nationalpatriotische“ Kräfte, die seit diesem Krieg an Zuspruch gewinnen. Ihre öffentlichen Bekundungen sind antisemitisch gefärbt. Die in Rußland verbliebenen Juden fürchten sich vor dem Ergebnis der Duma-Wahlen im Herbst.

Unser Mitglied Prof. Ilja Kremer, er ist Vorsitzender des Moskauer Verbandes der Kriegsversehrten, bat mich um die Vermittlung eines Briefes des Präsidenten der russischen Kriegsveteranen an den Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse. Er appelliert an die Verantwortlichkeit für das weitere gute Verhältnis zwischen Deutschland und Rußland. Diese Beziehungen sind für das geschichtsbewußte Rußland ein Maßstab für das Vertrauen in den Westen. Davon hängt nicht nur das Schicksal jüdischer Menschen in Rußland ab…

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